Richterin Koppenhöfer wirft den Angeklagten aktienrechtliche Verstöße vor
„Die Prämien waren nicht im Interesse von Mannesmann“

Es klingt fast wie eine Rechtfertigung, als Richterin Brigitte Koppenhöfer gestern das Urteil zu erklären beginnt: Das Gericht habe die Anklage zugelassen, weil dafür ein hinreichender Tatverdacht ausreichend sei. Der sei für eine Verurteilung aber nicht genug. „Ein Urteil muss ohne Zweifel zu Stande kommen“, betont Koppenhöfer. Für die Zulassung der Anklage reiche dagegen ein geringerer Grad der Wahrscheinlichkeit aus.

HB brs/mp/slo DÜSSELDORF. Seitdem das Gericht vor drei Monaten Freisprüche signalisierte, hatten sich Experten gefragt: Warum hat Koppenhöfer die Anklage überhaupt zugelassen, wenn die Zahlung der Prämien so eindeutig keinen Verstoß gegen das Strafrecht darstellte?

Doch trotz des Freispruchs lässt das Gericht gestern keinen Zweifel daran: Die ehemaligen MannesmannAufsichtsräte, darunter Josef Ackermann und Klaus Zwickel, haben einen schlechten Job gemacht, als sie die Millionen an Ex-Mannesmann- Chef Klaus Esser und den ehemaligen Aufsichtsratschef Joachim Funk verteilten. Dies sei aktienrechtlich unzulässig gewesen. Die Prämien hätten nicht im Interesse von Mannesmann gelegen, die Aufsichtsräte hätten ihre Handlungsspielräume überschritten.

Die wesentliche Begründung: Der Bonus an Esser stelle eine doppelte Zahlung dar, weil seine Leistung bereits mit der festen Vergütung abgegolten worden sei. Zudem habe es keinen Grund gegeben, Esser mit dieser Zahlung bei seiner künftigen Arbeit zu motivieren. Schließlich sei sein baldiges Ausscheiden klar gewesen, ebenso wie das Ende der Mannesmann AG als selbstständiges Unternehmen. Auch die Aktienkurssteigerung lässt Koppenhöfer als Begründung für die Prämie nicht gelten: „Erfahrungsgemäß ist der Aktienkurs kein Maßstab für Erfolg.“

Für einen strafrechtlichen Verstoß genüge das aber nicht, sagt die Richterin. Es sei nicht zu einer gravierenden Pflichtverletzung gekommen. „Die Finanzlage des Unternehmens war sehr gut, die Rentabilität durch die Prämien nicht gefährdet.“

Auch die Sonderzuwendung für Funk sei ein Verstoß gegen das Aktiengesetz, sogar eine „gravierende Pflichtverletzung“ von Ackermann und Zwickel gewesen. „Es hat keine sorgfältige Ermittlung der Entscheidungsgrundlage gegeben.“ Die Richterin hält ihnen aber zugute: „Sie sind von der Rechtmäßigkeit ihres Handelns ausgegangen und das konnte nicht widerlegt werden.“

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