Richtig führen
Sicherheitsabstand einhalten!

Im Büro hat jeder Mitarbeiter sein Revier, das Vorgesetzte tunlichst respektieren sollten. Begehen die Chefs dennoch Grenzverletzungen, müssen sie dafür büßen - durch das Vorenthalten von Informationen und andere subtile Racheakte.

In der Firma hieß er nur „Der Fernsprecher“. Doch der Abteilungsleiter dachte sich gar nichts dabei, wenn er mit seinen Leuten brüllend kommunizierte. Ob aus Faulheit oder Gedankenlosigkeit – er hatte es sich angewöhnt, einfach sitzen zu bleiben und nicht zum Schreibtisch eines Mitarbeiters zu gehen, um diesem etwas mitzuteilen. Und saß der Mitarbeiter weiter entfernt, musste er eben schreien. Die Angestellten quittierten das bald nur noch mit genervtem Augenrollen. Immer öfter taten sie so, als hörten sie ihn nicht. Dann kursierte der Spruch: „Wenn der Fernsprecher klingelt, geh einfach nicht ran.“ Seine Autorität war dahin.

„Der Manager hatte unterschätzt, wie wichtig es für Führungskräfte ist, auf das richtige Wechselspiel aus Nähe und Distanz zu achten“, erklären Christian Püttjer und Uwe Schnierda, Kommunikationstrainer und Autoren von „Geheimnisse der Körpersprache“ (Band 6 der Handelsblatt-Sonderedition „Wissen macht Karriere“, Campus Verlag, 2006). Wer zu weit weg ist, kann keine persönliche Beziehung aufbauen. Für Führungskräfte heißt das: „Sie müssen klare Anweisungen geben und sicherstellen, dass ihre Infos ankommen und die Mitarbeiter die richtigen Konsequenzen ziehen“, so Püttjer. „Ob ein Mitarbeiter die Anweisung akzeptiert oder ob weitere Überzeugungsarbeit fällig ist, kann der Vorgesetzte aber nur an seinen Reaktionen ablesen, wenn er nah genug dran ist.“

Fazit: Möglichst keine Direktiven ohne Blickkontakt geben und bei Gruppen beachten, dass sich keiner ausgegrenzt fühlt. Denn wer meint, außen vorzustehen, rächt sich irgendwann. „Wer etwa ständig an Gesprächspartnern vorbeischaut, sich mit anderen Dingen beschäftigt, während er mit ihnen redet, signalisiert, dass er sie missachtet“, so Schnierda. „Die Leute glauben dann, dass sie als Mensch ignoriert werden.“ Der Chef wird damit zu kämpfen haben, dass sie keinen Sinn mehr darin sehen, sich mit ihm auseinander zu setzen – und Informationen für sich behalten.

So wichtig es für Menschen ist, dass sie sich wahrgenommen fühlen, so entscheidend ist es aber auch, ihre Schutzzonen nicht zu verletzen. Vorgesetzte, die zu dicht an einen Mitarbeiter heranrücken, erzeugen schnell eine Kampfstimmung, die eine sachliche Auseinandersetzung unmöglich macht. Während Mitarbeiter, die einen Besuchstermin beim Chef haben, meist vorsichtig sind und auf Erlaubnis warten, eintreten oder sich gar setzen zu dürfen, lassen die meisten Chefs bei Untergebenen und Kollegen weniger Vorsicht walten. Sie beugen sich über deren Schreibtische, um sich einen Stift zu angeln oder bei den Süßigkeiten zu bedienen. Und vergessen dabei: Als Chef die Qualität der Arbeit eines Mitarbeiters kontrollieren zu müssen ist kein Freifahrschein für das Eindringen in dessen Tabuzone.

„Nur bei großer Vertrautheit lässt ein Mitarbeiter solche Revierverletzungen durchgehen“, warnt Kommunikationsberater Hasso Mansfeld aus Bingen. „Meist folgen Retourkutschen.“ Um unnötige Konflikte zu vermeiden, gilt es deshalb, möglichst einen Mindestabstand von etwa 70 Zentimetern einzuhalten. Püttjer: „Der Abstand Armlänge definiert die Intimsphäre.“ Infos vernünftig austauschen funktioniert nur innerhalb einer Kontaktzone zwischen zwei Meter bis 80 Zentimeter Abstand. Konsequenzen von Revierverletzungen oder unterlassener Zuwendung bekommen Chefs nicht direkt zu spüren, sondern erst mit Zeitverzögerung in anderem Kontext. Wer neu in der Firma ist, sollte deshalb beim Essen in der Kantine erst abwarten, bis alle anderen sitzen. Ein Neuer, der sich auf den Stammplatz eines langjährigen Mitarbeiters setzt, beschwört ohne Not einen unterschwelligen Konflikt herauf.

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