Richtungsweisendes Krisengespräch
Bittsteller aus der Chefetage

Hans Demant ist Ingenieur mit Leib und Seele. Doch jetzt steht der 58-Jährige Diplom-Ingenieur vor einem Problem, das sich mit technischem Sachverstand allein nicht mehr lösen lässt. Im Krisengespräch mit Kanzlerin Angela Merkel muss der Opel-Boss heute vor allem seine Überzeugungskünste unter Beweis stellen.

FRANKFURT. Der Opel-Chef läuft zur Höchstform auf, wenn er auf Fachkongressen ausführlich über "die Vorzüge der Brennstoffzelle" oder über "ein neues Chassis für Mittelklassewagen" referieren kann. Doch nun steht Hans Demant vor einem gänzlich anderen Problem.



"Das Management der Adam Opel GmbH hat sich an die Bundesregierung und die Bundesländer, in denen Opel Werke besitzt - Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und Hessen -, mit der Bitte gewandt, eine staatliche Bürgschaft zu erhalten", sagte er Ende vergangener Woche im Interview mit dem Handelsblatt. Dies einzuräumen, das ist dem introvertierten Brillenträger nicht leicht gefallen. Denn der Satz macht indirekt klar, dass auch die Opel-Führung eine Insolvenz des kriselnden Mutterkonzerns General Motors (GM) nicht mehr ausschließt.

"Wir haben derzeit kein Liquiditätsproblem", stellt Demant klar. Doch was der studierte Maschinenbauer nicht laut ausspricht: Der Rüsselsheimer Autobauer Opel droht vom klammen Mutterkonzern mit die Tiefe gerissen zu werden. "Falls es zu Problemen bei GM in den USA käme, hängen wir an den Finanzströmen, und dann könnte es passieren, dass wir irgendwann im nächsten Jahr Probleme bekämen", formuliert der Hesse mit der Diplomatie, die eine Tochtergesellschaft gegenüber ihrem Mutterkonzern an die Tag legen muss. "Nur in diesem unwahrscheinlichen Fall müssten wir Kredite aufnehmen", sagt Demant. Dann bräuchte Opel "Cash, um das Geschäft weiterzubetreiben".

Doch GM-Boss Rick Wagoner warnt in den USA längst vor einer Pleite, wenn es keine Staatshilfe geben sollte. Und der Kreditversicherer Euler Hermes gewährt Opel-Lieferanten schon keinen Schutz mehr.

Auch die Opel-Führung weiß, dass für bloße Eventualitäten Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht sofort ein Krisentreffen einberufen hätte. An dem Treffen sollen neben Hans Demant noch der GM-Europapräsident Carl-Peter Forster sowie Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz teilnehmen.

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