Risiokmanagement
Frühwarnsysteme sind Mangelware

Für den mittelständischen Maschinenbauer kam es knüppeldick: Nicht nur, dass die leicht angegraute Kalkulation die explosionsartig steigenden Stahlpreise weitgehend außer acht gelassen hat. Nun fiel auch noch einer von zwei Hauptlieferanten aus. Es war der Zeitpunkt, zu dem sich der Chef erstmals nicht mehr über sein gefülltes Auftragsbuch freuen konnte. Liefertermine drückten, ein Debakel kündigte sich an.

BERLIN. Dem schwäbischen Maschinenbauer galt so etwas bislang als Firlefanz. Dabei haben Mittelständler in schwankenden und globalisierten Märkten mit den gleichen Risiken zu tun wie Großunternehmen - also müssen sie zu gleichen Instrumenten greifen, um das Unvorhersehbare beherrschbar zu machen. "Gerade Mittelständler erheben viel zu selten relevante Kennzahlen, um mittel- bis langfristige Aussagen treffen zu können", sagt Roland Fausel, Experte für Risikomanagement und beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater Vorsitzender des Regionalarbeitskreises Baden-Württemberg. Viele Firmenpleiten könnten aber durch gezieltes Gegensteuern vermieden werden, wenn Firmen über geeignete Frühwarnindikatoren verfügten. Eine breit angelegte Befragung unter Mittelständlern in Baden-Württemberg kam zu dem wenig befriedigenden Ergebnis, dass Frühwarnsysteme Mangelware sind. Nur jede zweite Firma setzt gezielt auf Krisenprävention. Fausel: "Viele Unternehmer oder Manager empfinden Risikomanagement eher als Last, denn als strategischen Erfolgsfaktor." Was für Baden-Württemberg gilt, lässt sich verallgemeinern: "Mittelständler erkennen zwar, dass die Märkte volatiler werden, die Risiken also zunehmen, aber ihnen fehlen die Instrumente, damit umzugehen", sagt Beatrix Morath, Partnerin bei Roland Berger Strategy Consultants in Zürich. Immerhin: "Das Thema rutscht auf der Agenda nach oben", sagt die Sanierungsberaterin. Ähnlich ist auch die Erfahrung von Jens Gräf, bei Horváth & Partner verantwortlich für den Bereich Risikomanagement: "Der Nachholbedarf wird im Mittelstand registriert. Vor allem Manager wollen durch eine direkte Risikoinformation die Unternehmenssteuerung unterstützen." Ein Grund dafür ist, dass Firmen mit wirkungsvollen Systemen zum Risikomanagement ein besseres Rating bei Banken erzielen, denn dies fließt in die Bonitätsprüfung ein. Für mittelständische Unternehmen gibt es viele Risiken - von abrupten Marktveränderungen bis zur Nachfolgeregelung (siehe Checkliste). Besonders oft werden Firmen von Absatz-Preis-Risiken, Problemen mit der IT-Sicherheit sowie Rohstoff- und Währungsschwankungen kalt erwischt, beobachtet Morath.

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