Riskante Termingeschäfte führen nach dem 11. September 2001 zu Totalverlust – Bank legt Berufung ein
Berenberg Bank soll Anleger entschädigen

Zum ersten Mal hat das Landgericht in Berlin einer Anlegerin, die nach den Börsenturbulenzen im Anschluss an die Terroranschläge vom 11. September 2001 fast ihr gesamtes Depotvermögen verloren hat, in einem ersten Schritt gut 300 000 Euro Schadensersatz zugesprochen (AZ 35 O 371/02). Das entspricht in etwa der Hälfte der damals von ihr erlittenen Verluste.

FRANKFURT/M. Obwohl die Anlegerin und ihr Mann nach dem Verkauf ihrer Firma von diesem Geld leben wollten, empfahl ein Kundenberater der Berenberg Bank so genannte ungedeckte Stillhaltergeschäfte in Optionen zur Beimischung des Depots. Bei diesen Termingeschäften verpflichten sich Anleger, zu einem bestimmten Zeitpunkt Wertpapiere zu verkaufen, die sie nicht selbst im Depot haben. Einem begrenzten Ertrag stehen hohe Risiken gegenüber. Bei besagtem Ehepaar führte die vermeintliche Beimischung innerhalb weniger Tage nach den Anschlägen fast zum Verlust des gesamten Depotvermögens.

"Wenn sich das Anlagevermögen oder auch die Anlageziele bei einem Kunden verändern, muss der Anlageberater reagieren", hebt Dietmar Kälberer, Berliner Rechtsanwalt der Klägerin, den seiner Meinung nach entscheidenden Punkt bei der Urteilsbegründung hervor. Grundsätzlich müssten Anlageberater über Chancen und Risiken einer Geldanlage aufklären und auch die Anlageziele sowie die finanzielle Situation des Anlegers berücksichtigen, fügt er hinzu.

Die Berenberg Bank kann nach Angaben eines Sprechers das Urteil nicht nachvollziehen. Sie hat bereits Berufung eingelegt. Das Ehepaar sei mit derartigen Termingeschäften erfahren gewesen, eine schriftliche Risikoaufklärung wurde wie gesetzlich vorgeschrieben durchgeführt und auch die Anlageentscheidung sei letztlich von der Anlegerin getroffen worden, teilte die Berenberg Bank mit.

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