Robert Dudley
Neuer BP-Chef krempelt Ölkonzern um

Der neue Chef des angeschlagenen Ölmultis BP baut das alte Management um. Mit einer neuen Sparte für Sicherheit und Risikomanagement will er das Vertrauen der Amerikaner zurück gewinnen. Auch die Investoren muss Robert "Bob" Dudley überzeugen. Viel steht auf dem Spiel.
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LONDON. Bob Dudley drückt aufs Tempo. Kurz vor seinem Antritt als BP-Chef hat er einen radikalen Umbau des Ölmultis verkündet.

Dudley schafft eine neue Sparte, die sich um Sicherheit und Risikomanagement kümmern soll. Den Geschäftsbereich Öl- und Gasförderung spaltet er in drei Abteilungen auf und setzt den bisherigen Chef Andy Inglis ab. In dessen Arbeitsfeld fiel die Unglücksbohrung im Golf von Mexiko.

Eine Kette von Pannen und Fehlern auf einer Bohrinsel, die im Auftrag von BP betrieben wurde, hatte Ende April die größte Umweltkatastrophe in der amerikanischen Geschichte ausgelöst. Elf Menschen kamen ums Leben, gut 700 Millionen Liter Öl flossen ins Meer. Die wirtschaftlichen Folgen des Desasters haben BP ins Wanken gebracht.

Dudley, der am Freitag Tony Hayward an der Spitze des Konzerns ablöst, hat jetzt wohl den schwierigsten Job in der Branche. Er muss das Überleben von BP sichern. Er muss verhindern, dass der zweitgrößte europäische Ölkonzern übernommen oder zerschlagen wird.

Neue Sicherheitssparte für neues Vertrauen

"Zunächst müssen wir dafür sorgen, dass man uns wieder vertraut", sagte Dudley gestern. Daher stünde ein anderer Umgang mit Risiken ganz oben auf der Prioritätenliste.

Die neue Einheit, die das Einhalten verschärfter Sicherheitsregeln überwachen soll, wird der BP-Manager Mark Bly führen. Er hat die konzerninterne Untersuchung der Unglücksursachen geleitet und gefordert: BP müsse externe Dienstleister besser überwachen, in bestimmten Bereichen mehr eigenes Know-how aufbauen und sich nicht so sehr auf Fremdfirmen verlassen.

Um dem Rechnung zu tragen, werde die Ölfördersparte in die Bereiche Exploration, Erschließung und Produktion gegliedert und den BP-Managern Mike Daly, Bernard Looney und Bob Fryar unterstellt, kündigte Dudley an. Dadurch würden die Verantwortlichkeiten klarer zugeordnet. Der bisherige Spartenchef Inglis wird das Unternehmen Ende des Jahres verlassen.

Dudley muss auch Investoren beruhigen

Was Dudley als Nächstes angehen muss, steht ebenfalls schon fest: Der 55-Jährige muss Investoren beruhigen, dem Aktienkurs Auftrieb geben, durch Verkäufe das BP-Finanzpolster vergrößern, um die Kosten der Katastrophe stemmen und wieder Dividenden zahlen zu können. Vor allem aber muss er das überlebenswichtige US-Geschäft retten.

Jedes dritte Fass Öl fördert BP entweder im Golf von Mexiko oder in Alaska, etwa 40 Prozent seines Umsatzes erzielt der Konzern in Nordamerika, knapp ein Drittel der BP-Öl - und Gasreserven liegen dort. Die Zukunft des britischen Unternehmens hängt entscheidend davon ab, ob und unter welchen Bedingungen es diese Aktivitäten fortsetzen kann.

Wenn jemand die zerrütteten Beziehungen von BP zur US-Regierung und zu den Amerikanern wieder kitten kann, dann ist es wohl Dudley: Er ist in New York geboren und im Bundesstaat Mississippi aufgewachsen. Er verbrachte früher seine Sommerferien am Golf von Mexiko - dort, wo BP jetzt die Folgen der Katastrophe beseitigen muss.

Im Sommer kam Dudley als oberster BP-Krisenmanager an die Golfküste zurück. "Was ich gesehen habe, war schmerzlich, emotional und schockierend", sagte er. Es war das, was die Amerikaner hören wollten. Er hatte den richtigen Ton getroffen. Als BP-Chef muss er jetzt die richtigen Entscheidungen treffen.

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