Robert Dudley
Zwischen allen Stühlen

Robert (Bob) Dudley hat derzeit den schwersten Job in der Ölindustrie. Der Chef von TNK-BP steht im Mittelpunkt einer Schlammschlacht zwischen den britischen und russischen Aktionären. Zwar hält der BP-Konzern noch an seinem Mann fest. Aber wie lange noch?

MOSKAU. Ist sein helles Haar nun dünner geworden? Sieht er nicht doch ein wenig müde aus? Wenn Robert (Bob) Dudley dieser Tage in der Öffentlichkeit erscheint, trifft er wohl meist auf neugieriges Mitleid.

Kein Wunder, der Mann kann mit Fug und Recht von sich behaupten, dass er zurzeit den schwersten Job in der Ölindustrie hat: Er ist Chef des russisch-britischen Ölkonzerns TNK-BP. Und der kommt dank seines völlig verfahrenen Aktionärsstreits, bei dem es offiziell um die Strategie des Konzerns geht, nicht aus den Schlagzeilen.

Deshalb muss sich der 52-jährige Amerikaner nicht nur mit Oligarchen vom Schlage eines Michail Fridman oder German Chans herumschlagen, die seit Wochen seinen Kopf fordern und eine PR-Kampagne gegen ihn fahren. Fast täglich muss seine Verwaltung mit den kleinen Gemeinheiten und Fallstricken der byzantinischen Bürokratie in Russland zurechtkommen. Gestern überprüften Inspektoren der Arbeitsaufsicht im Unternehmen einen „Fortschrittsbericht“ und forderten neue Daten.

Morgen ist wieder so ein Tag: Vor einem Gericht im sibirischen Tjumen hat ein Aufsichtsratsmitglied der Holding, die das Anlagevermögen des Konzerns bilanziert, Klage eingereicht: Er sieht sich in seinen Rechten beschnitten. Aber was ist das schon gegen eine Hausdurchsuchung des Geheimdienstes FSB. Oder die Untersuchungen der Steuerbehörden: TNK-BP muss nun alle Unterlagen über Dienstreisen und Einsätze von BP-Mitarbeitern der vergangenen zwei Jahre beibringen. Eine Sisyphus-Arbeit, bei der Fehler programmiert sind – auf die der russische Fiskus nur wartet.

Doch Dudleys Gegner sitzen beim drittgrößten russischen Ölkonzern, der bei einem Umsatz von 25 Milliarden Dollar ein Viertel des gesamten Öls von BP fördert, nicht nur „draußen“. Sowohl Wiktor Wekselberg wie auch German Chan – Großaktionäre und Teilhaber am russischen Konsortium AAR, das wie BP die Hälfte der Aktien an TNK-BP hält – haben auch einen Platz im Vorstand und Büros wie Dudley an Moskaus Flanier- und Künstlermeile Arbat. Ihre Position nutzen sie, um den Vorstandschef in die Parade zu fahren, wo sie nur können. Aber Dudley schlägt auch zurück: Einigen russischen Managern verweigert er angeblich die Handlungsvollmacht.

Dennoch kommt es zu absurden Situationen: Vor zwei Wochen tauchte bei einer Anhörung in Moskau, bei der es um die Zahl der im Konzern beschäftigten Ausländer gehen sollte, nicht nur der zuständige Mann fürs Tagesgeschäft Tim Summers auf, sondern auch Vorstandskollege Wekselberg. Der nutzte die Gelegenheit, um den Beamten zu erklären, dass viel zu viele Ausländer bei TNK-BP arbeiteten.

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