Robert Iger spürt bereits Gegenwind
Der neue König von Disneyland

Er muss wieder Ruhe in sein Reich bringen: Der künftige Disney-Chef Robert Iger übernimmt eine schwere Aufgabe. Sein Vorgänger Michael Eisner hinterlässt ihm ein Unternehmen mit aufgeregten Mitarbeitern und zornigen Aktionären.

NEW YORK/DÜSSELDORF. Die Berufung von Robert Iger zum neuen Chef des Unterhaltungskonzern Walt Disney ist in den USA auf ein geteiltes Echo gestoßen. Während einige Experten die Wahl des 54-jährigen Veteranen als Ausweis von Kontinuität begrüßten, kritisierten andere eben das als schlechtes Zeichen einer „Weiter-so-Politik“. Die beiden ehemaligen Direktoren Stanley Gold und Roy Disney bezeichneten den Auswahlprozess als eine „Mogelpackung“. Die Wahl von Iger sei ein weiteres Beispiel dafür, wie die Konzernführung das Vertrauen der Aktionäre missbrauche. Ein deutscher Disney-Manager sagte: „Ich erwarte mir keine große strategische Neuorientierung.“

Roy Disney, der Neffe des Firmengründers, und sein Partner Gold hat-ten im vergangenen Jahr einen Auf-stand der Aktionäre gegen Disney-Chef Michael Eisner angezettelt, der dem bis dahin allmächtigen Manager viel Macht gekostet hat. Die beiden Kritiker werfen Eisner vor, zu großen Einfluss auf die Auswahl seines Nachfolgers zu nehmen. Tatsächlich ist Iger ein enger Weggefährte Eisners und war dessen persönlicher Favorit für den Chefposten. Disney-Aufsichtsratschef George Mitchell verteidigte die Wahl Igers als „richtige Mischung aus Kontinuität, Erfolg und Wechsel“. Die Auswahl entspreche den „höchsten Standards“.

Fachleute bezweifeln das, da es mit der Ebay-Chefin Meg Whitman eine hochkarätige Alternative zu Iger gegeben habe. Whitman zog ihre Bewerbung allerdings am vergangenen Freitag zurück. Aus Branchenkreisen verlautet, dass die Chefin des Internet-Auktionshauses nicht an eine echte Chance glaubt habe und befürchtete, lediglich als Feigenblatt herhalten zu müssen. „Die Wahl von Iger stellt keinen wirklichen Neuanfang dar“, sagte Charles Elson, Professor an der Universität Delaware. So haben Gold und Roy Disney bereits angedeutet, dass sie auf der kommenden Hauptversammlung eine neue Attacke gegen die Führungsspitze planen. „Die Anteilseigner sollten ernsthaft überlegen, das Board zu ersetzen und einen Neubeginn zu starten“, schreiben die beiden in einer Erklärung.

Der Start von Iger steht damit unter keinem guten Stern, gilt es doch als seine wichtigste Aufgabe, den „Disney-Krieg“ zu beenden und das Unternehmen nach den Turbulenzen wieder in ruhigeres Fahrwasser zu lenken. Die Voraussetzungen dafür bringt der Manager mit: Er gilt im Gegensatz zum Raubein Eisner als Meister der leisen Töne und ist im Konzern beliebt. Anders als der detailversessene Eisner führt Iger als Chief Operating Officer (COO) seine Mitarbeiter an der langen Leine. „Er mischt sich nicht in meine Arbeit ein“, sagt Talk-Show-Star Ophrah Winfrey.

Bereits im Oktober, also ein Jahr früher als geplant, wird Iger den 63-Jährigen an der Konzernspitze ablösen. Eisner wird die Zeitenwende nur noch am Rande mitgestalten können. Er ist zwar noch bis September 2006 im Verwaltungsrat.

Der ehemalige Sportreporter und Wettermann Iger muss sich jedoch nicht nur als Friedensstifter beweisen. Obwohl die Gewinnkurve des Konzerns seit einem Jahr steil nach oben zeigt, warten auf den Neuen im Disney-Reich einige Baustellen: So muss er den Turnaround des Fernsehsenders ABC fortführen, die Freizeitparks auf Rendite trimmen und den Niedergang Disneys bei Trickfilmen stoppen. Dazu muss Iger zunächst entscheiden, ob der die im Streit beendete Partnerschaft mit dem Animationsstudio Pixar wieder aufleben lässt.

Iger kam 1996 nach der Übernahme von ABC zum Disney-Konzern. Dort war er lange für das internationale Geschäft und die Fernsehaktivitäten zuständig. Mit der skurrilen TV-Serie „Desperate Housewives“, die demnächst auch im deutschen Fernsehen zu sehen sein wird, gewann Disney nicht nur zwei Golden Globes, sondern errang auch einen Quotenerfolg. Zu seiner Erfolgsbilanz zählt auch die weltweite Expansion von Disney-Kanälen.

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