Robert Malone
Was BP unter Kritik versteht

Ein Traumjob ist es nicht, den Robert Malone da übernommen hat. Kaum ein Jahr im Amt springt der US-Chef des britischen Ölkonzerns BP von einem Brandherd zum nächsten. Nun musste er im Untersuchungsbericht des ehemaligen US-Außenministers auch noch lesen, bei BP herrsche ein „Mangel an Disziplin.“ Das tut weh.

DÜSSELDORF. In Texas starben bei der Explosion auf einer BP-Raffinerie 15 Menschen; im Golf von New Mexiko verzögert sich die Fertigstellung einer Ölplattform um 18 Monate; wegen der Rostschäden in Alaska wurde Robert Malone schon zum zweiten Mal vor einen Untersuchungsausschuss des US-Kongresses zitiert. Er sei überrascht gewesen von der Fülle der Themen, die auf ihn warteten, gibt der 55-jährige US-Chef des britischen Ölkonzerns in der Mitarbeiterzeitung von BP zu.

30 Jahre arbeitet er schon im Konzern. Im Januar musste er nun im Untersuchungsbericht des ehemaligen US-Außenministers James Baker lesen, bei BP herrsche ein „Mangel an Disziplin und eine apathische Haltung gegenüber Sicherheitsrisiken.“

„Als Mitarbeiter von BP tut einem dieser Bericht weh“, sagt Malone. Andererseits sei er aber auch ein Geschenk. Einige der besten Experten würden BP helfen, den richtigen Weg einzuschlagen, behauptet er: „Wir haben einen kritischen Bericht gefordert, und wir haben ihn bekommen.“

Allzu kritisch darf es aber wohl doch nicht sein. Die von BP bezahlte Untersuchung der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton kommt zu dem Schluss, dass Kostendruck bei BP dazu führte, dass im März 2006 rund 800 000 Liter Öl in der Arktis ausliefen. Budgetkürzungen hätten dazu geführt, dass notwendige Wartungsarbeiten gestrichen wurden.

So viel Offenheit beeindruckt. Kurz vor der Anhörung im Kongress aber teilte BP mit, man wolle diese Passage aus dem Report lieber wieder streichen. Mehrere Abgeordnete werteten dies als Vertuschungsversuch und kündigten weitere Befragungen an, weil Malone nicht erklären konnte, warum BP den Report nachträglich ändern wollte.

Ganz so unbeteiligt wie er schien, ist Malone allerdings nicht. Vor seiner jetzigen Tätigkeit war er in den 90er-Jahren selbst Chef der BP-Tochter, die das Ölfeld in Alaska betreibt. Auch während seiner Amtszeit wurde dort an Wartung und Sicherheit gespart.

Ein weiterer Hinweis, dass das Aufklärungsbedürfnis von BP seine Grenzen hat, zeigt die Zeugenliste von Booz Allen. 75 Personen durften die Experten zu dem Zustand der Leitungen in Alaska befragen. Nicht dabei aber war Richard Woollam. Ausgerechnet der Chef der Rostschutzabteilung stand für die Wahrheitsfindung nicht zur Verfügung – Woollam ist seit acht Monaten freigestellt.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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