Robert Nardelli neuer Chrysler-Chef
Wie ein Höllenhund

Robert Nardelli hat die US-Baumarktkette Home Depot ausgepresst wie eine Zitrone. Jetzt soll der Egozentriker und Zahlenfan den Autobauer Chrysler sanieren – ein ultimativer Belastungstest für die Belegschaft und die Gewerkschaft UAW.

NEW YORK/FRANKFURT. In der griechischen Mythologie ist manches einfacher als im richtigen Leben. Da konnten das schöne Mädchen Psyche und der trojanische Prinz Aeneas den Höllenhund Cerberus mit Honigkuchen besänftigen und so ihre Reise durch die Unterwelt fortsetzen.

Das Chrysler-Management um Tom LaSorda hat es hingegen nicht geschafft, das Tier bei Laune zu halten. Nur einen Arbeitstag nachdem Cerberus den US-Autobauer von Daimler offiziell übernommen hat, stellt der neue Eigentümer die Führungsspitze des angeschlagenen Unternehmens weitgehend kalt.

Der Ex-Chef der US-Baumarktkette Home Depot, Robert Nardelli, löst Tom LaSorda auf dem Chefsessel ab, Vizechef Eric Ridenour verlässt das Unternehmen und Cerbe-rus-Berater Wolfgang Bernhard zieht wider Erwarten nicht in den Verwaltungsrat des Autobauers ein – „aus persönlichen Gründen“, wie es offiziell heißt.

Der Paukenschlag des Finanzinvestors bestätigt einen Trend in der US-Autoindustrie: An die Spitze der angeschlagenen US-Giganten kehren zusehends Branchenfremde, die die verkrusteten Strukturen aufbrechen sollen. Ford hatte bereits im Vorjahr den langjährigen Boeing-Manager Alan Mulally berufen.

Mit Nardelli holt sich Chrysler einen Mann ins Haus, dessen Ruf in der US-Wirtschaft höchst umstritten ist. Die Teilhaber der weltgrößten Baumarktkette Home Depot haben den 59-Jährigen in schlechter Erinnerung: Als der Konzernchef zu Jahresbeginn auf Druck der Anteilseigner abtreten musste, ging er mit einer der höchsten Abfindungen aller Zeiten – mit 210 Millionen Dollar.

Auf Kritik an seinem hohen Salär reagierte er mit der Einfühlsamkeit einer Heckenschere. Auf der Hauptversammlung kam es im vergangenen Jahr zum Eklat. Nardelli sollte rechtfertigen, wieso er sich ein Gehalt von 124 Millionen Dollar genehmigt, während der Home-Depot-Aktienkurs vor sich hindümpelt. Nardelli schaltete jedem Aktionär nach einer Minute das Mikrofon ab und beendete die Sitzung eigenmächtig nach einer halben Stunde. Die „New York Times“ erinnerte die Versammlung an einen „sowjetischen Gulag“.

Auch im Konzern pflegte Nardelli einen streng militärischen Stil: Aus seiner Antrittsrede bei Home Depot wird der Schmähruf überliefert, die Manager der Baumarktkette hätten keine Ahnung „how to run a fucking business“. Das berichtete ein früherer Home-Depot-Vorstand dem US-Magazin „Business Week“.

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