Robert S. Miller will Autozulieferer Delphi sanieren
Wasserpistole gegen aussichtslose Lagen

Robert S. Miller jr., der sich gerne mit seinem zweiten Vornamen, Steve, anreden lässt, ist schwer zu übersehen. Der 1,90 Meter große Basketball-Fan mit seinem dröhnenden Lachen und seinem festen Händedruck lässt nie Zweifel aufkommen, wer das Kommando hat.

PORTLAND. Aber er gilt auch als Mann für spontane Späße. „Mein Vater setzt gern Humor ein, um Stress-Situationen zu entspannen oder seinen Standpunkt zu unterstreichen“, erzählt sein ältester Sohn, Robert S. Miller III, ein Rechtsanwalt in Bandon, Oregon. Anfang der achtziger Jahre, erinnert er sich, schockierte sein Vater Chryslers Banker mit der Mitteilung, der Autokonzern habe Konkurs angemeldet. Es war bloß ein Aprilscherz. Ein anderes Mal setzte er sich während schwieriger Verhandlungen mit Gläubigern eine Wasserpistole an die Stirn und drohte, sich zu erschießen.

Am 1. Juli übernimmt der 63-Jährige den Vorsitz im Vorstand und Verwaltungsrat der Delphi Corp. als Nachfolger von J.T. Battenberg, 62, der in seiner langen Karriere als General-Motors-Manager zuerst die Zulieferwerke des Autoriesen unter einem Dach versammelte und sie dann 1999 an die Börse brachte.

Robert S. Miller wird als zweiter Chef in der Geschichte von Delphi nicht nur seinen Humor, sondern auch sein legendäres Talent als Sanierungsspezialist aufbieten müssen, um den nach Umsatz größten Autozulieferer der Welt vor einer Insolvenz zu bewahren.

Denn Delphi leidet nicht nur mit seinem Hauptkunden, General Motors, unter Absatzflaute und steigenden Kosten. Zusätzlich ermittelt die US-Finanzaufsicht SEC wegen angeblicher Bilanzierungstricks. Kurz bevor diese Vorwürfe öffentlich wurden, hatte Battenberg seinen Rücktritt erklärt. Und seitdem hat sich das Bild bei Delphi stetig verdüstert. Im ersten Quartal machte der Konzern 409 Millionen Dollar Verlust. Für 2005 rechnet Delphi insgesamt mit tiefroten Zahlen.

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