Rocco Forte
„I’m not a Heuschrecke“

Die deutsche Hotelbranche blickt gespannt auf Rocco Forte: Ist er der Heilsbringer, der das Preisniveau nach oben bringt – oder einer, der tief fallen wird?

BERLIN. Wer von einem „harten Manager“ spricht, meint meist das Entscheidungsgebaren im Geschäftsleben. Rocco Forte ist auf andere Weise hart: Er ist Triathlet. Nein, keiner von den Hobby-Sportlern, die auf die verkürzte Variante des Dreikampfs aus Schwimmen, Fahrradfahren und Schwimmen gehen. Der Brite mit italienischen Wurzeln vertrat seine Nation schon bei den Weltmeisterschaften: 2002 wurde er elfter – mit 54 Jahren. Die österreichische Variante des Iron Man beendete er vergangenes Jahr als Zweiter.

Heute ist er 60 und hat nichts vom sportlichen Biss verloren. „Aggressiv expansiv“ will er seine europäische Luxusmarke aufbauen, eine Kollektion exquisiter Luxushotels, die Nobelketten wie Four Seasons und Ritz-Carlton das Fürchten lehren soll?

Forte empfängt Besucher in der hintersten Ecke eines schnöden Londoner Großraumbüros, nur abgetrennt durch eine Glasscheibe wird sein Arbeitsplatz vom Rest des Teams. Hinter Bergen von Papier erhebt sich eine britische Kopie des US-Serienanwalts Petrocelli: nicht wirklich groß, durchtrainiert, charismatisch – und um ein Plädoyer für seine Anliegen nie verlegen.

Der Punkt sei nun gekommen, bedeutet er im sanften Sprachduktus eines Prinz Charles, „neue Service-Standards in der Luxushotellerie zu setzen“. Sein Ziel: 25 bis 30 Rocco-Forte-Hotels bis 2010 in allen wichtigen Metropolen Europas.

Stück für Stück arbeitet er sich vor: Im März eröffnete die „Villa Kennedy“ in Frankfurt, kürzlich folgte das „Hotel de Rome“ in Berlin, Mai 2007 soll ein noch namenloses Hotel in München hinzukommen.

Drei hochpreisige Luxushotels ausgerechnet in der für ihre Zimmer-Tiefstpreise gefürchteten Bundesrepublik? „Deutschland ist eine der mächtigsten Wirtschaftsnationen der Welt. Wenn du eine europäische Hotelmarke aufbauen willst, musst du nach Deutschland gehen.“ Siegesgewiss gibt er zu Protokoll: „Es gibt in Deutschland noch keine Hotels, die liefern können, was wir liefern.“ Und: „Ich habe eine Vision, sonst würde ich hier nicht sitzen.“

Ob dieser markigen Worte schlägt dem Briten hier zu Lande die leidenschaftliche Häme der Branche entgegen – auch wenn keiner öffentlich lästern mag. Stephan Gerhard, Chairman der Unternehmensberatung Treugast Solutions Group, spricht nüchtern aus, was viele denken: „Deutschland ist sehr verhaftet in tradierten Tiefstpreisen.“ Und: „Er darf die zeitliche Dauer nicht unterschätzen.“

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