Röchling-Familie
Hockeyplatz als Lehrwerkstatt

Klaus Greinert trägt keinen großen Namen. Aber er bewahrt einen: Röchling. Der 65-Jährige hält die Familie hinter dem Mannheimer Kunstoffkonzern zusammen. Seie Erfahrungen aus dem Leistungssport helfen ihm dabei.

HB MANNHEIM. Der Münchener Sportclub singt noch heute ein Loblied: "Ein sportlich bemerkenswertes Ereignis war im Herbst 1967 der Zugang von Klaus Greinert vom Berliner Hockeyclub, Kapitän der Nationalmannschaft und Klassespieler, der mit seinem unerschütterlichen Selbstvertrauen und Optimismus alle mitriss."

So steht es in der Vereinschronik. Inzwischen ist Klaus Greinerts Figur ein wenig rundlicher geworden, doch Selbstbewusstsein und Optimismus strahlt er noch immer aus. Seine 65 Jahre sieht man ihm nicht an.

"Hockeyspieler sind Teamspieler", sagt er selbst über Vergangenheit und Gegenwart. Nur ist sein Team nicht mehr die Hockey-Nationalmannschaft - so wie 1960 und 1968 bei den Olympischen Spielen -, sondern eine rund 200 Köpfe große Familie, in die er vor 34 Jahren einheiratete: die Röchlings.

Allerdings tragen nur noch wenige von ihnen tatsächlich diesen Namen. Doch alle sind sie mit unterschiedlichen Gewichten Teilhaber des Familienunternehmens, der Mannheimer Gebr. Röchling KG.

1,4 Milliarden Euro Umsatz machte die im vergangenen Jahr - und ist doch in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Vielleicht ist es die fortwährende, chamäleonhafte Verwandlung, die Röchling nicht recht fassbar macht.

Begonnen hat alles mit dem Kohlehandel von Friedrich Röchling und seinen Brüdern entlang der Eisenbahnstrecke von Saarbrücken nach Ludwigshafen. Aus Kohle wurde Stahl in Form der Röchling?schen Eisen- und Stahlwerke in Völklingen, besser bekannt als Völklinger Hütte. Und aus Stahl wurde Rüstung: 1956 kaufte sich Röchling bei Rheinmetall ein. 1978 trennte sich die Familie aber vom Urgeschäft Stahl, ein Mittelständler konnte nicht mehr mithalten im subventionsbefeuerten Kampf der Montangiganten. Auch die Gebr. Röchling Bank wurde abgegeben.

Im Gegenzug begann eine Einkaufstour durch die Wirtschaft: Telekommunikation, Kunststoffverarbeitung, Rohrtechnik, Eisenhandlung, Malzfabrik, Messtechnik, Lagergesellschaft - aus dem Mittelständler wurde ein undurchschaubares Firmengeflecht.

Das konnte nicht gut gehen, und so wurde bereits in den 80er-Jahren vieles wieder verkauft - um in den 90er-Jahren erneut in unterschiedlichste Branchen zu investieren. Erst im Jahr 2000 zog die Familie die Notbremse. Nun ist klar: Spätestens 2010 soll Röchling auf High-Tech-Kunststoffe spezialisiert sein - ganz fokussiert, ganz eindeutig, als weltweit tätiger Firmenverbund mittelgroßer Unternehmen. 65 Prozent des Umsatzes sollen aus dem Ausland kommen.

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