Roger Goodell, Chef der Football-Liga NFL
Vom Praktikum zum Chefsessel

Der neue Chef der Football-Liga NFL, Roger Goodell, hat schon fast alles mal gemacht. Als Roger Goodell 1981 sein VWL-Diplom in der Tasche hatte, schrieb er 40 Bewerbungen. Alle richteten sie sich auf ein Ziel: einen Job im American-Football-Reich der National Football-League (NFL).

DÜSSELDORF. Es reichte für ein dreimonatiges Praktikum in der PR-Abteilung der New York Jets. Daraus wurde eine Festanstellung in der Ligazentrale – und eine nun 24 Jahre dauernde Karriere, die das Herumfahren des Ex-NFL-Chefs Pete Rozelle genauso beinhaltete wie das Aushandeln des Liga-Tarifvertrags.

Am Dienstag die vorläufige Krönung: Die Besitzer wählten den bisherigen Chief Operating Officer zur neuen Nummer eins, zum Commissioner. Der 47-Jährige setzte sich dabei gegen Mitfavorit und Anwalt Gregg Levy durch sowie gegen den Juristen Frederick Nance, Fidelity-Investments-Vize-Chairman Robert Reynolds und Mayo Shattuck, Chairman von Constellation Energy.

Auf einer Pressekonferenz gestern sagte Goodell: „Ich weiß, wie glücklich ich mich schätzen muss. Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht, meiner Leidenschaft zu folgen. Ich kann mir keinen tolleren Posten vorstellen.“

Der bisherige zweite Mann der Liga tritt in große Fußstapfen: Vorgänger Paul Tagliabue, 65, der nun in den Ruhestand geht, gilt als mächtigster Sportmanager der USA und einer der fähigsten Geschäftsführer, die der Sport weltweit je gesehen hat. Unter ihm wurde die NFL zu einem sechs Milliarden Dollar umsetzenden und atemberaubend schnell wachsenden Unternehmen. Einen großen Umbruch wird es jetzt nicht geben, glaubt Paul Mara, Präsident der New York Giants: Goodell „war an jeder wichtigen Entscheidung in den vergangenen zwei Dutzend Jahren beteiligt.“

Der gebürtige New Yorker gilt als zupackender Typ, der sich schnell auf Gesprächspartner einstellt und mit fast jedem gut zurechtkommt. Das hilft ihm vor allem bei den Club-Besitzern, die zu gleichen Teilen Anteilseigner der NFL sind: Ihre Interessen sind oft sehr entgegenlaufend. Gelernt hat Goodell die Fähigkeit zur Diplomatie wohl von seinem Vater, dem Ex-Senator Charles Goodell.

Der neue NFL-Chef dürfte auch eine Beruhigung für die vor allem in Deutschland spielende Ligatochter NFL Europe sein: Goodell gilt als Unterstützer des Ablegers, zu dem Teams wie Frankfurt Galaxy oder die Düsseldorfer Rhein Fire gehören. Im vergangenen Jahr war beschlossen worden, die Liga bis 2010 fortzusetzen.

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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