Rohstoffmärkte
Comeback eines pressescheuen Zockers

Auf dem Weg zu einem außerordentlichen Comeback: Vor zwei Jahren verzockte Brian Hunter mit Spekulationen am Gasmarkt fast sieben Milliarden Dollar, nun meldet sich der Wall-Street-Flüchtling eindrucksvoll zurück: Ein von Hunter beratener Hedge-Fonds schlägt die Konkurrenz um Längen.

NEW YORK. Es ist eine verlassene Radiostation in einem verfallenen Viertel der kanadischen Großstadt Calgary, in der Brian Hunter, ein Paria der New Yorker Finanzwelt, derzeit wohnt und sein Comeback feiert. Vor zwei Jahren hatte der studierte Mathematiker mit Spekulationen am Gasmarkt fast sieben Milliarden Dollar verspielt, den Hedge-Fonds Amaranth in den Ruin getrieben und ein Beben in der globalen Finanzwelt ausgelöst. Der damals erst 32-jährige Hunter stellte damit sogar den britischen Aktienhändler Nick Leeson in den Schatten, der 1995 die altehrwürdige Barings Bank mit Fehlspekulationen von knapp einer Milliarde Pfund zusammenbrechen ließ.

In diesem Sommer dagegen ahnt Hunter in seinem selbst gewählten Exil als einer der Ersten den Einbruch der Rohstoffmärkte und ist plötzlich wieder ein Star. Denn: Ein von dem Wall-Street-Flüchtling beratener Hedge-Fonds schlägt die Konkurrenz um Längen. Während die führenden Rohstoff-Indizes im Juli um zehn Prozent einbrachen, legte sein Fonds nach Recherchen der Nachrichtenagentur Bloomberg um 24 Prozent zu. Seit Jahresbeginn hat der Skandalhändler von 2006 damit eine Wertsteigerung von 230 Prozent eingefahren.

Hunter scheint also auf dem besten Weg zu einem veritablen Comeback. Geboren in der ländlichen Umgebung von Calgary, arbeitete der heute 34-Jährige nach seinem Studium zunächst für den Gaskonzern Transcanada. Dort entwickelte er Handelsstrategien, mit denen der Versorger Kapital aus Verwerfungen am Rohstoffmarkt schlagen sollte.

2001 ging er mit seiner Frau Carrie nach New York, um bei der Deutschen Bank als Rohstoffhändler anzuheuern. Nach ein paar guten Jahren trennten sich Bank und Händler 2004 im Streit um Verlustpositionen und Hunters Bonus. Der Liebhaber schneller Autos wechselte zu Amaranth, einem Hedge-Fonds im ländlichen Connecticut und hatte dort 2005 sein großes Jahr. Weil er frühzeitig auf steigende Gaspreise gesetzt hatte, profitierte er vom Hurrikan Katrina, dessen Verwüstungen die Nachfrage nach Energie explodieren ließen. Offiziellen Angaben zufolge fuhr er für seinen Fonds mehr als eine Milliarde Dollar Gewinn ein und verdiente selbst mehr als 100 Millionen Dollar.

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