Roland Ohnacker
Stühlerücken bei den Thonets

Neue Ära beim nordhessischen Möbelbauer: Mit Roland Ohnacker sitzt erstmals in der 180-jährigen Firmengeschichte kein Familienmitglied an der Spitze. Claus Thonet, 65, wechselt im Mai in den Beirat des berühmten Stuhlherstellers.

FRANKFURT. Eine gelungene Verbindung von Tradition und Moderne – das war schon immer eines der Erfolgsrezepte des Möbelherstellers Thonet. Was bei den Produkten gut funktioniert, soll nun auch auf das Management übertragen werden. Am 1. Mai übernimmt mit Roland Ohnacker erstmals in der über 180-jährigen Firmengeschichte ein Manager von außen die Führung. Claus M. Thonet (65), Urenkel des Gründers Michael Thonet, wechsele in den Beirat des Unternehmens, teilte Thonet gestern mit.

Die Stabübergabe war lange angekündigt worden. Claus Thonet hatte stets erklärt, er wolle mit 65 Jahren aus dem operativen Geschäft aussteigen. Dennoch markiert das Ereignis das Ende einer Ära. Seitdem Thonet im Jahr 1825 gegründet wurde, stand immer ein Familienmitglied an der Spitze der Firma.

Zwar mangelt es nicht an Nachwuchs. Seit längerem sitzen zwei Brüder von Claus Thonet in der Geschäftsführung. Philipp kümmert sich um das Exportgeschäft, Peter um das Marketing. Und das soll auch so bleiben. Aber die kaufmännische Leitung soll nun ein „Externer“ übernehmen. Der Vierte der „T’s“, wie sich die Thonets nennen, Claus Thonets Sohn Felix (36), ist zwar ebenfalls im Unternehmen aktiv und bei allen wichtigen Entscheidungen dabei. Er hatte beim Chefposten aber abgewinkt. „Das wäre nichts für mich gewesen“, sagte er jüngst.

Mit Roland Ohnacker glaubt die Familie nun, den Richtigen für die Führung gefunden zu haben. „Wir sind überzeugt, dass der neue Geschäftsführer über eine hervorragende Qualifikation und die richtige Vision verfügt“, sagte Claus Thonet gestern. Vor allem beim Vertrieb und der Produktion erhoffe er sich Impulse.

Beobachter überrascht die Entscheidung für einen Externen nicht. Thonet stehe Ideen von außen sehr offen gegenüber, wird berichtet. So wird die Produktion nach dem vom Autokonzern Toyota eingeführten Kaizen-System organisiert, also in Teams. Entworfen werden die Stühle an hochmodernen Computerarbeitsplätzen. Thonet ist der Erfinder des berühmten „Kaffeehausstuhls Nr. 14“, der erste Stuhl, der in industrieller Fertigung entstand.Zahlen zum Umsatz und Ergebnis der Firma mit 170 Mitarbeitern gibt es nicht.

Der 39-jährige Ohnacker bringt viel Erfahrung ins nordhessische Frankenberg an der Eder. 1968 in Darmstadt geboren, war er bis 2004 Geschäftsführer der Frankfurter Samas Deutschland GmbH & Co. KG, einem Büromöbelkonzern. Zuletzt war er Alleingeschäftsführer der Drabert GmbH und der Sitag GmbH, zwei Büromöbelfirmen in Minden. An seiner neuen Aufgabe reizt ihn, für ein Familienunternehmen zu arbeiten, sowie dessen Tradition und der gute Ruf als Design-Schmiede.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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