Roland Steindorf will einen neuen TV-Kabel-Konzern formen. Ob es klappt, entscheidet das Kartellamt in dieser Woche.
Der Kabel-Träger

Wenn es um Fernsehen geht, bekommt Roland Steindorf leuchtende Augen. Sieben TV-Geräte hat er in seinem Haus im Münchener Nobelstadtteil Bogenhausen, erzählt er lachend. Selbst im Badezimmer steht ein Fernseher, den er durch die gläserne Duschwand sehen kann. Da läuft morgens schon ein Nachrichtensender, damit der 50-Jährige gleich auf dem neusten Stand ist.

MÜNCHEN. Fernsehen ist Steindorfs Profession: Der Manager, groß gewachsen mit sportlicher Figur und grauem, streng gescheiteltem Haar, ist Chef der Kabel Deutschland GmbH (KDG). Die Firma versorgt fast zehn Millionen Haushalte mit Flimmerware. Und hat noch große Pläne für das deutsche Fernsehen. Steindorfs Mission: Das TV-Kabel, das Ex-Postminister Christian Schwarz-Schilling mit Milliardenaufwand vor mehr als 20 Jahren vergraben ließ, soll nicht zur Investitionsruine verkommen, sondern zum neuen Alleskönner für Digital-TV und Hochgeschwindigkeitsinternet werden.

„Wir schaffen Vielfalt“, rühmt er sich und träumt von einem Kaufhaus für Fernsehprogramme, in dem sich jeder Zuschauer das Passende aussuchen kann. Mit der Digitalisierung könnten die Kunden 300 TV-Kanäle empfangen. Vorbild sind die USA: Dort wächst die Branche.

Diese Woche kommt die erste große Bewährungsprobe für Steindorfs Traum. Das Bundeskartellamt trifft eine Vorentscheidung darüber, ob KDG drei kleinere Wettbewerber übernehmen darf. Die Zahl der KDG-Kunden würde sich auf gut 17 Millionen fast verdoppeln. Aber auch das alte Monopol würde quasi wiederauferstehen: Schon bis 2000 war das Kabelnetz in der Hand der Deutschen Telekom, ehe der Konzern mit dem Verkauf begann – weil die EU dies aus Wettbewerbsgründen forderte und das Unternehmen ohnehin Geld zum Schuldenabbau brauchte. Als wahrscheinlich gilt, dass das Kartellamt die Fusion nur unter Auflagen genehmigt.

Steindorf, seit März 2003 KDG-Chef, hätte dann zwar eine wichtige Hürde genommen, aber er wäre noch lange nicht am Ziel. Er kämpft gleich an mehreren Fronten: Große TV-Sender wie RTL haben Angst vor mehr Konkurrenz. Sie wollen den knappen Werbemarkt nicht weiter aufteilen. Viele hundert kleine Netzbetreiber, die von KDG das TV-Signal empfangen und dann über den letzten Meter weiter in die Haushalte leiten, fürchten einen bundesweiten Kabelgiganten, der ihnen die Preise diktiert. Und die Verbraucher wollen nicht in neue digitale Set-Top-Boxen investieren, die Zahl der Kabelkunden ist rückläufig. Nur kleinere Programmanbieter stehen derzeit auf Steindorfs Seite.

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