Rolf Ernst Breuer
Genießer in Nadelstreifen

1966 kam Rolf Breuer nach seinem Jura-Studium als blutiger Anfänger zur Deutschen Bank. Es war der Anfang einer steilen Karriere, die ihn zum „Mr. Finanzplatz“ werden lassen sollte. Für Journalisten hatte der langjährige Vorstandschef des größten deutschen Geldinstituts immer spektakuläre Zitate auf Lager. Er ging schließlich, weil er, wie so oft, eine Spur zu offen gewesen war. Am Samstag wird Breuer 70 Jahre alt. Das Porträt eines Rastlosen im Ruhestand.

FRANKFURT. „Musik? Breuer!“ Wenn es in den vergangenen zwei Jahrzehnten in den schier endlosen Vorstandssitzungen der Deutschen Bank am Ende noch um Spenden und Posten im Bereich der schönen Künste ging, dann war klar, wer zuständig war: Rolf Ernst Breuer, der in seiner Jugend Cello gelernt und es bis zum Solisten im Schulorchester gebracht hatte.

Und gut zwanzig Jahre nach seinem Aufstieg in den Vorstand der Deutschen Bank und anderthalb Jahre nach seinem Rücktritt vom Aufsichtsratsvorsitz, hat immer noch ein Drittel seiner verbliebenen 45 Bank-Mandate (in Worten: fünfundvierzig) etwas mit Kultur zu tun.

Er ist zum Beispiel Vorsitzender des Kuratoriums der Deutschen Stiftung Musikleben, Chef des Förderkreises der Komischen Oper Berlin und der Gesellschaft der Freunde der Berliner Philharmonie. Auch bei der Hessischen Kulturstiftung Wiesbaden, der Bachakademie Stuttgart und der Pinakothek München mischt er mit. Wer Breuer unverhofft treffen will, muss nur regelmäßig in Frankfurt in die Alte Oper gehen, wo er natürlich Vorsitzender des Kuratoriums der Gesellschaft der Freunde ist.

Breuer ist ein Genießer und Kulturfreak. Das sieht man dem weißhaarigen Edelmann mit dem berühmten Schmunzeln auf den Lippen, dem leichten rheinischen Singsang in der Stimme und dem dauergebräunten Teint auf den ersten Blick an. Er widerspricht übrigens allen Gerüchten, dass die Bräune künstlich per Sonnenbank zustande kommt.

Er liebt zwar Musik, aber der Cello-Unterricht, den er in seiner Jugend zweimal die Woche ertragen musste, machte dem im Bonner Parlamentsviertel aufgewachsenen Sohn eines Managers früh klar, dass er nicht Musiker werden wollte. So wurde er Jurist und Banker: Die Lehre machte er ab 1956 bei der Deutschen Bank in Mainz und München, studiert hat er in Lausanne, München und Bonn. Dem berühmten Bonner Repetitor Schneider ist Breuer bis heute dankbar, dass er ihn „durchs Examen geprügelt“ hat.

1966 kehrte er zur Deutschen Bank zurück. Und lernte das klassische Bankgeschäft in der Filiale Karlsruhe kennen, wo er mit der Kreditvergabe an badische Mittelständler zu tun hatte. Als er 1969 gefragt wurde, ob er nach Frankfurt wechseln und Assistent des Chef-Händlers werden wolle, gestand er zwar ein, vom Börsengeschäft keine Ahnung zu haben. Aber er war neugierig und sagte zu. Heute steht fest: Aus dem zunächst blutigen Anfänger, der bereits 1974 Chef der Börsenabteilung wurde, ist in den folgenden Jahren „Mr. Finanzplatz“ geworden, der sich wie kaum ein anderer für die Kapitalmarktausrichtung der Deutschen Bank sowie die Modernisierung der deutschen Börsenlandschaft stark gemacht hat.

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