Rolf-Peter Hoenen
Huk-Chef wird oberster Lobbyist

Eigentlich wollte Rolf Hoenen-Peter sich Mitte des kommenden Jahres ganz auf das Klavierspielen konzentrieren. Doch daraus wird nichts. Auf den langjährigen Vorstandssprecher der Huk Coburg Versicherungsgruppe wartet schon ab November dieses Jahres eine neue Herausforderung. Der 61-Jährige soll zum nächsten Präsidenten des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft gewählt werden.

DÜSSELDORF. Die Aufgabe wird ihn zwei volle Jahre beanspruchen - hauptsächlich in Berlin. Dort wählt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am 12. November 2008 einen neuen Präsidenten. Hoenen ist nach Informationen des Handelsblatts aus Branchenkreisen einziger Kandidat. Zustimmung soll er intern schon signalisiert haben, obgleich Hoenen offiziell sagt: "Ich beteilige mich nicht an Spekulationen."

Die Suche nach einem GDV-Präsidenten ist in der Versicherungswirtschaft traditionell extrem schwierig. Als 2003 Bernhard Schareck, der amtierende Präsident, gewählt worden war, endete eine zwei Jahre andauernde Suche. Zuvor musste eigens die Satzung geändert werden, damit Scharecks Vorgänger, Bernd Michaels, um eine weitere Periode verlängern konnte. Dieses Prozedere ist unter dem Begriff "Lex Michaels" in die Verbandsannalen eingegangen.

Auch für die anstehende Schareck-Nachfolge sucht der GDV schon länger einen Kandidaten. Doch den Job will kaum einer haben. Denn die Satzung schreibt vor, dass der Präsident noch im operativen Geschäft aktiv ist. Genau darin liegt das Problem. Denn oberster Lobbyist zu sein ist nicht bloß der stressigste Nebenjob, den die Branche zu vergeben hat. Vielmehr sind nur wenige Unternehmenschefs und ihr Aufsichtsrat bereit, schätzungsweise die Hälfte ihrer Arbeitszeit in den Dienst der Konkurrenz - und damit vornehmlich in den Dienst des Marktführers - zu stellen. Die Allianz zieht lieber aus der zweiten Reihe die Fäden. Auch das hat Tradition in der Branche.

Die Allianz soll den Informationen zufolge die Wahl von Hoenen unterstützen. Das wäre vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen. Huk und Allianz sind in der Autoversicherung bittere Feinde. Doch seitdem die Allianz sich mehr und mehr Richtung Ausland orientiert, verliert der deutsche Markt für sie entsprechend an Bedeutung. Die Interessen der großen und kleineren Versicherungsgruppen klaffen allgemein zunehmend auseinander. Es bedarf eines großen Fingerspitzengefühls, den Zusammenhalt im Verband zu wahren. So gesehen ist Klaviervirtuose Hoenen eine gute Wahl. Der gebürtige Aachener kennt den Verband und die verschiedenen Interessen aus seiner langjährigen Mitgliedschaft im obersten Präsidium des GDV.

Nicht zuletzt kommt noch ein weiteres Argument pro Hoenen hinzu: Der GDV-Präsident wechselt immer zwischen einem Vertreter aus dem Kreis der öffentlichen Versicherer, dem Genossenschaftslager der Versicherungsvereine und den Aktiengesellschaften. Jetzt sind die Versicherungsvereine wieder an der Reihe. Die einstige "Haftpflicht-Unterstützungs-Kasse kraftfahrender Beamter Deutschlands e.V." war 1937 in einen Versicherungsverein umgewandelt worden. "Der Sonnenkönig von Coburg", wie Branchenvertreter ihn gern nennen, passt also auch insofern ideal.

Einziges Manko: Hoenen scheidet Mitte 2009 planmäßig aus dem Vorstand der Huk Coburg Versicherungsgruppe aus. Damit stünde er für eine zweite Wahlperiode nicht zur Verfügung. Es sei denn, er machte von der "Lex Michaels" Gebrauch. Doch für Hoenen soll das bisher nicht infrage kommen. Er wolle den Job nur zwei Jahre lang machen, heißt es in der Branche. Doch die wird froh sein, mit dem gewieften Pianisten zumindest für diese Zeit einen Lobbyisten gefunden zu haben, der die Interessen der Branche konsequent gegenüber den Politikern verkauft. Und ein Mann, der es nebenher geschafft hat, am Klavier Konzertreife zu erlangen und von über einhundert Kilo Körpergewicht 25 Kilo abzuspecken, der beweist, dass er den nötigen Ehrgeiz besitzt.

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