Rolls-Royce-Chef Rose
Vom Absturz bedroht

John Rose und Rolls-Royce - das ist eigentlich eine makellose Erfolgsgeschichte. Die jetzt Kratzer bekommt. Denn kurz vor dem Ruhestand bringen Motorschäden bei einer australischen Airline den Rolls-Royce-Chef in Bedrängnis.
  • 0

LONDON. Verlässt ihn auf den letzten Metern noch das Glück? John Rose hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass sein Erfolg auch ein Stück Zufall war. Einer Kombination aus Glück, Weitblick und Beharrlichkeit sei es zu verdanken, dass der Triebwerkhersteller Rolls-Royce unter seiner Führung von einem Leichtgewicht zur Nummer zwei der Branche aufstieg. Nach gut 14 Jahren an der Spitze des britischen Traditionskonzerns will Rose in fünf Monaten abtreten. Und ausgerechnet jetzt kommt das Unternehmen in Turbulenzen.

Gleich zwei Maschinen der australischen Fluggesellschaft Qantas hatten vergangene Woche massive Probleme mit Rolls-Royce-Motoren. John Rose und Rolls-Royce - das ist eigentlich eine makellose Erfolgsgeschichte. Die jetzt Kratzer bekommt. Noch ist unklar, wie tief sie ausfallen werden.

Mitte der 80er-Jahre kam Rose zu Rolls-Royce. Er hatte Psychologie studiert und als Investmentbanker gearbeitet, bevor er in die Industrie wechselte. Rolls-Royce war damals noch in Staatshand. 1971 hatte sich das Unternehmen bei der Entwicklung eines neuen Antriebs verspekuliert, und nur die Verstaatlichung hatte es vor der Pleite bewahrt. Margaret Thatcher privatisierte Rolls-Royce 1987. In den Jahren danach entwickelten sich die Motoren mit der Antriebstechnik, die das Unternehmen einst fast seine Existenz gekostet hatte, zum Bestseller. Als Chef setzte Rose dem noch einen drauf: Er erschloss neue Umsatz- und Gewinnquellen.

Das Unternehmen verkauft nicht einfach seine Triebwerke, sondern hat seine Kunden davon überzeugt, für jede Stunde, die diese Triebwerke im Einsatz sind, eine Servicegebühr zu bezahlen. Im Gegenzug wartet Rolls-Royce die Motoren. Zudem hat Rose das Unternehmen unabhängiger von den Schwankungen der Luftfahrt gemacht. Rolls-Royce produziert auch Schiffsmotoren und Gasturbinen für Kraftwerke.

In Zahlen ausgedrückt hat Rose Enormes geleistet: Das Unternehmen hat seinen Umsatz auf gut zehn Mrd. Pfund verdreifacht und den Gewinn auf knapp eine Mrd. Pfund vervierfacht. Doch über das Erreichte spricht Rose nicht gern. Er hat auch nie einen Kult um seine Person gemacht, Interviews mit ihm sind eine Rarität. "Bei Rolls-Royce wird Teamarbeit großgeschrieben", sagt ein Manager, der mit ihm zusammenarbeitet, "daher sieht es Rose als falsch an, wenn man ihn in den Vordergrund rückt."

Seite 1:

Vom Absturz bedroht

Seite 2:

Kommentare zu " Rolls-Royce-Chef Rose: Vom Absturz bedroht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%