Romain Zaleski
Der Mann im Hintergrund

Romain Zaleski mischt in Italien überall mit. Allein sein Name lässt Unternehmensbosse und Banker aufschrecken. Doch der 74-Jährige meidet öffentliche Auftritte und hat für Luxus nicht viel übrig. Stattdessen setzt er auf Substanz und Standhaftigkeit.

MAILAND. Schon als Kind hat Romain Zaleski Standfestigkeit bewiesen. Als er im Jahr 1944 im Alter von elf Jahren nach einem Familienbesuch in Warschau stecken bleibt, wird seine Mutter vor seinen Augen von der Gestapo verhaftet. Der unscheinbare Junge folgt den eilig gegeben Anweisungen der Mutter und spielt den Postboten für die Widerstandskämpfer. Erst nach dem Krieg findet die Familie in Paris wieder zusammen.

Mehr als ein halbes Jahrhundert später hat Zaleski an Zähigkeit nichts eingebüßt, auch wenn die Widerstände heute eher finanzieller Natur sind. Der in Frankreich geborene Financier polnischen Ursprungs ist eine der einflussreichsten Figuren in der italienischen Wirtschaft. Sein Name reicht, um Unternehmensbosse und Banker aufschrecken zu lassen. Zaleski ist einer der erfolgreichsten Investoren Italiens. Ob der Versicherer Generali, das Energieunternehmen Edison oder die Großbank IntesaSanpaolo – in fast allen wichtigen Finanztransaktionen hat der Financier seine Finger im Spiel.

Seit 23 Jahren lebt Zaleski nun schon in Italien – wenn auch eher im Verborgenen. Anders als die Fiat-Gründer-Familie Agnelli oder auch der ehemalige Telecom-Italia Hauptaktionär und Pirelli-Chef Marco Tronchetti-Provera agiert Zaleski lieber im Hintergrund. Der 74-Jährige meidet öffentliche Auftritte und hat auch für großen Luxus nicht viel übrig. Trotz seines beachtlichen Vermögens verzichtet er auf Statussymbole wie den eigenen Chauffeur.

„Ihm geht es mehr um die Substanz“, sagt einer, der ihn kennt. Ein Reihenhaus im Nordosten Mailands dient als Haus und Büro für den drahtigen Herrn mit den dünnen grauen Haaren um die Halbglatze. Das Büro hat er in der Garage eingerichtet. Dabei ist das Häuschen alles andere als ein Rentnerdomizil. Von hier aus kontrolliert Zaleski sein Imperium von Beteiligungen in Italiens Finanz- und Unternehmenswelt, dessen Wert auf knapp sieben Milliarden Euro geschätzt wird.

„Er mag das Understatement. Es würde mich sehr wundern, wenn er demnächst ‚Zaleski International’ an der Piazza Duomo in Mailand eröffnet“, sagt ein Beobachter über den Katholiken, dessen Wohnort Ikonen schmücken und der eher aus Liebe zu seinen Söhnen ein AC Mailand-Fan ist. Zaleski, der noch immer fließend polnisch spricht und mit einer Stiftung die polnische Kultur fördert, könnte sich einen luxuriöseren Lebensstil durchaus leisten.

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