Ron Gettelfinger
Ruppiger Stil als Markenzeichen

Ron Gettelfinger, Chef der US-Autogewerkschaft UAW, steht vor seiner größten Bewährungsprobe. Seit dieser Woche verhandelt der Vorsitzende der Autogewerkschaft United Auto Workers (UAW) mit den Bossen von General Motors (GM), Ford und Chrysler über einen neuen, vierjährigen Manteltarifvertrag. Es geht um nicht weniger als das Schicksal der „Big Three“ und ihrer 180 000 Mitarbeiter.

NEW YORK. Der 62-jährige Ron Gettelfinger entspricht nicht gerade dem Klischee eines Arbeiterführers: Seine drahtige Figur gleicht einem Marathonläufer. Gettelfinger raucht nicht, trinkt nicht, spielt nicht. Ein silbergrauer Schnurrbart ziert sein Gesicht, dessen ernste Züge durch eine schmale Brille noch betont werden.

Trotz seiner unscheinbaren Statur ruhen auf Gettelfingers Schultern die Hoffnungen der gesamten US-Autoindustrie. Der UAW-Boss soll die Quadratur des Kreises vollbringen. Seine Gewerkschaftsmitglieder erwarten von ihm, dass er ihre Jobs und Sozialleistungen verteidigt. Das Management hofft, dass Gettelfinger seiner pragmatischen Linie treu bleibt und ihnen hilft, die milliardenschweren Altlasten für Pensionen und Krankenversicherungen loszuwerden.

Gettelfinger ist es gewohnt, mit widerstreitenden Interessen zurechtzukommen. Er ist als eines von zwölf Kindern auf einer Farm ohne fließend Wasser und Strom in Indiana aufgewachsen. Dort hat er sich durchgebissen und es bis zur Indiana University geschafft. Die letzte Härte bekommt er dann beim US-Marine-Corps. „Mein Sohn liebt einen guten Kampf“, sagte einmal sein Vater Paul. Gettelfinger selbst bezeichnet seinen Verhandlungsstil als „ruppig“. Ein Image, mit dem er aus taktischen Gründen gern kokettiert.

Erwarten doch seine Kollegen in den laufenden Tarifverhandlungen genau jene kompromisslose Härte. Viele UAW-Mitglieder sind verbittert, weil Gettelfinger ihrer Meinung nach bereits zu viele Konzessionen gemacht hat. Unter anderem stimmte er im vergangenen Jahr zu, dass die Autoarbeiter erstmals einen Teil ihrer Krankenversicherung selbst tragen müssen. Der Deal wurde mit einer knappen Mehrheit von 51 Prozent angenommen.

Gettelfinger hat deshalb jetzt erst einmal seine Muskeln spielen lassen. Die kürzlich bei den Zulieferern Goodyear und Dana vereinbarte Übertragung der Krankenversicherungslasten auf eine von der Gewerkschaft geführte Treuhandgesellschaft habe keinen Modellcharakter, ließ er die „Big Three“ in Detroit wissen. GM & Co. sind dennoch zuversichtlich. Sie wissen, dass Gettelfinger auf keinen Fall als Totengräber der US-Autoindustrie in die Gewerkschaftsgeschichte eingehen will.

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