Ronny Pecik
Des Teufels General

Ronny Pecik, der in Österreichs Hauptstadt Wien lebende gebürtige Kroate, hat es vom Elektriker zum Multimillionär gebracht. Jetzt kauft er einen Technologiekonzern nach dem anderen – und geht dabei nicht zimperlich vor.

ZÜRICH. Wenn keiner gegen den Strom schwimmt, gehen alle den Bach runter. An dieser Kabarett-Bühnen-Weisheit ist etwas dran, mag sich Ronny Pecik gedacht haben, als er seine ersten Schwimmstöße gegen die Strömung versuchte. Vielleicht hat er aber auch nur an sich gedacht.

Vier Jahre sind diese Schwimmübungen erst her. Das österreichische Industriekonglomerat VA Tech spürte damals, was es heißt, Pecik im Nacken zu haben. „Des Teufels General“ nannte sich Pecik, weil er den Großeinstieg bei der VA Tech noch im Schatten seines Landsmanns Mirko Kovats durchzog.

Ein gutes Jahr später reichten Kovats und Pecik ihre Anteile an Siemens weiter, womit ein ehemaliger österreichischer Staatsbetrieb in ausländische Hände überging. „Gegen den Strom schwimmen“ kann man so was natürlich nennen. Die 80 Millionen Euro, die die Herren Kovats und Pecik daran verdienten, sind allerdings auch nicht von Pappe.

Egal. Seither ist Pecik, dem seine Freunde Wiener Charme bescheinigen und seine Feinde kroatische Durchtriebenheit unterstellen, so etwas wie der Schrecken jedes allzu langweiligen Managements. Eine „unheimlich schnelle Auffassungsgabe“ bescheinigt ihm Rennfahrerlegende Niki Lauda, der demnach zu seinen Freunden zählt.

Besonders die Schweizer gehen jedoch in Deckung, wenn der Mann mit dem blütenweißen Hemd, dem dichten Haarschopf und den obligatorischen Bodyguards auftaucht. Oerlikon, Sulzer, Ascom lauten die klingenden Namen aus der Schweizer Industrielandschaft, die inzwischen auf Peciks Inventarliste stehen. Und nun zählt auch noch das Stuttgarter Technologieunternehmen M-W Zander mit seinen 8 000 Mitarbeitern zu Peciks Reich.

Das Bild vom Teufel und seinem General nahmen die Eidgenossen auf, als Pecik gemeinsam mit Kovats den Technologiekonzern Unaxis sturmreif schoss. Wieder ging ein heimischer Traditionsbetrieb in ausländische Hände. Wieder gelang es Pecik, seine Investition zu vergolden. Der in Oerlikon umgetaufte Konzern hat seinen Börsenwert inzwischen versiebenfacht. Eine reine Finanzinvestition? „Dazu bin ich nicht der Typ“, sagt Pecik dem Handelsblatt. „Ich kaufe nicht billig. Aber ich kaufe auch nicht falsch.“

Dass die Schweizer das anders sehen und ausführlich darüber berichten, wie am Tag nach der Machtübernahme gestandene Unaxis-Manager drei Stunden Zeit bekamen, um ihren Schreibtisch für immer zu räumen, hat ihn erst gekränkt. Weil das allerdings ein Gefühl ist, dass in die Welt des Selfmademillionärs nicht passt, hat er es dann einfach umgedreht und versteht die Reaktion der Schweizer heute als Kompliment. Die Geschichte von der Änderung des Schweizer Börsengesetzes, die passierte, nachdem Pecik bei Unaxis eingestiegen war, erzählt er mit einem vergnügten Unterton. Die Politiker haben die Transparenzregeln bei Firmenübernahmen verschärft. Wo gibt es das schon, dass ein Land wegen eines Investors seine Gesetze ändert?

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