Rothschild
Alle Hoffnungen ruhen auf Alexandre

Eine Personalie in der traditionsreichen Investmentbank Rothschild sorgt für wilde Spekulationen: Der Sohn des Barons David de Rothschild kehrt zur Bank seiner Familie zurück. In der Londoner Niederlassung soll der Junior, der trotz seines Alters bereits wichtige Stationen der Hochfinanz durchlaufen hat, einen Beteiligungsfonds mit verwalten.

PARIS. Wenn Baron David de Rothschild, Chef der über 200 Jahre alten Investmentbank, nach seinem Erfolgsrezept gefragt wird, antwortet er schon mal: „Ich versuche immer Leute einzustellen, die intelligenter sind als ich.“ Mittlerweile ist der selbstironische Patron der Bank mit dem mythischen Namen 66 Jahre alt. Und die Frage wird laut, ob er einen intelligenten Menschen als Nachfolger einstellen muss oder ob er – wie bis dato üblich – in der Familie fündig wird.

Vor dem Hintergrund horchte die Pariser Bankenwelt auf, als bekannt wurde, dass Davids Sohn, Alexandre, 29 Jahre, in Papas Bank angeheuert hat: Seit einigen Monaten arbeitet er in der Londoner Niederlassung und soll einen Beteiligungsfonds mit verwalten.

Der Junior-Baron Rothschild hat trotz seiner jungen Jahre schon wichtige Stationen der Hochfinanz hinter sich – weitgehend ohne Papas Hilfe: Er arbeitete bei Bear Stearns in New York und bei der Beteiligungsgesellschaft der Bank of America in London. Die Beteiligungstochter wurde später selbstständig, heißt jetzt Argan Capital und Alexandre brachte es dort bis zum Partner. „Alexandre hat nach lukrativen Investments Ausschau gehalten“, heißt es aus dem Beteiligungshaus. „Er ist sehr nett und war entsprechend im Hause beliebt.“

Laut Rothschild-Manager Marc-Olivier Laurent, der gerade Geld für jenen Fonds einsammelt, den Alexandre mit verwalten soll, sei es aber „Spekulation“ von Alexandres Wechsel auf eine mögliche Nachfolge an der Spitze der Bank zu schließen. Schließlich hat auch der Patriarch stets betont: „Wenn wir niemanden in der Familie finden sollten, werden wir eines Tages das Management einschließlich meiner Position mit Personen besetzen, die nicht der Familie angehören.“

Eigentlich hatte David de Rothschild seinen 52 Jahre alten Halbbruder Edouard ausgeguckt. Denn mit Edouard hatte David die Pariser Rothschild-Bank den 80er-Jahren neu aufgebaut, nachdem der sozialistische Staatspräsident François Mitterrand alle Banken verstaatlicht hatte. Die neue Pariser Rothschildbank eroberte sich schnell einen Top-Platz unter den Fusionsberatern. 2004 nahm sich Edouard de Rothschild eine Auszeit – und teilte nach deren Ende seinem Halbbruder David mit, dass er nicht mehr zurückkomme. Er wolle sich lieber weiterhin um Pferderennen als um Fusionen und Übernahmen kümmern. Später wurde er zum Medienmagnaten und kaufte sich in die linke Tageszeitung „Libération“ ein.

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