Rothschild
Heike Munro: Netzwerkerin für schwierige Verhandlungen

Heike Munro berät krisengeschüttelte Firmen – bei Rothschild leitet sie das Restrukturierungsgeschäft in Deutschland. Damit ist sie hierzulande eine der ganz wenigen Frauen in einem männerdominierten Geschäft. Geht es nach der selbstbewussten Wahl-Berlinerin, soll sich das schon bald ändern.

FRANKFURT. Heike Munro verhandelt viel. Im Job sowieso, aber auch zu Hause. „Wenn man Kinder hat, weiß man, wie hart Verhandlungen sein können“, sagt die 42-jährige Mutter von zwei kleinen Kindern und lacht. Normalerweise sitzt die zierliche Westfälin aber mit Banken, Hedge-Fonds und Eigentümern am Verhandlungstisch. Dass sie sich trotz des freundlichen Auftretens keineswegs über selbigen ziehen lässt, hat man auch bei Rothschild erkannt. Dort leitet Munro seit Ende Mai als Managing Director gemeinsam mit Heinrich Kerstien das Restrukturierungsgeschäft in Deutschland.

Als Munro 1987 das Gymnasium in Werne verlässt, zeigt der Karrierepfad noch in eine andere Richtung. Sie lernt Werbekauffrau, studiert erst später BWL in Karlsruhe – mit den Schwerpunkten Marketing und Rechnungswesen. Gemeinsam mit ihrem Partner aus Schottland geht sie 1994 nach London, wo sie bis vor kurzem wohnt. Sie fängt damals in gewisser Weise völlig neu an – was nicht immer einfach ist. „Ich musste mir selbst alles erarbeiten“, sagt sie. „Aber genau das hat Spaß gemacht.“ Munro wird Trainee bei KPMG, wechselt dann zu Kleinwort Benson. Mit harter Arbeit und ein wenig Glück kommt sie schnell auf die großen Deals und berät British Aerospace beim Zusammenschluss mit Marconi. Damals rechnet sie sogar den Merger von Commerzbank und Dresdner durch.

2001 wirbt Goldman Sachs sie ab. Dort kommt sie das erste Mal mit dem in Berührung, was unter dem Schlagwort „Distressed“ in der Branche heute in aller Munde ist. Mit dem Wechsel zur Deutschen Bank 2004 weitet sich ihr Aufgabenfeld nochmals aus. Munro verantwortet unter anderem Eigenkapitalinvestitionen in schwächelnde Firmen und betreut sogenannte Debt-for-Equity-Swaps, also den Wandel von Fremd- in Eigenkapital. Investments etwa beim Strumpfhersteller Kunert oder dem Baustoffhersteller Deutsche Steinzeug gehen auf ihr Konto. Kein Job für Dünnhäutige. Eher für Arbeitstiere: Auch in normalen Zeiten fängt Munro um halb acht in der Früh an, geht selten vor zehn Uhr abends aus dem Büro.

Wer sich im Markt über die selbstbewusste Frau umhört, stößt nicht nur auf Positives. Die Wahl-Berlinerin, die seit zwei Jahren in die Bundeshauptstadt pendelt, sei fachlich exzellent, extrem fleißig und ehrgeizig, heißt es vielfach. Kritiker sprechen hingegen auch von Selbstüberschätzung. „Man wird das Gefühl nicht los, dass sie glaubt, außer ihr kann es keiner“, sagt ein Banker.

Dass Munro bei aller Freundlichkeit sehr genau weiß, was sie will, steht außer Frage. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb sie sich als Frau in einer Männerdomäne nie als Benachteiligte gefühlt hat. Dennoch engagiert sie sich heute in einer Initiative zur Förderung von Frauen im Top-Management. Netzwerke seien überaus wichtig, vielleicht sogar das Wichtigste beim Aufbau von Karrieren, sagt die Bankerin. „Ich bin mir nicht sicher, ob dafür jeder genügend Energie aufwendet.“

Und ein zweites Rezept hat Munro parat: Am Ende komme es auf Integrität und Berechenbarkeit an: „Man muss klare Grenzen setzen, die Haupttreiber der Verhandlungspartner kennen und idealerweise Win-Win Lösungen erarbeiten.“ Eigentlich wie bei Kindern.

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