Roy Bostock
Yahoo lässt den Mann fürs Grobe ran

Nach der geplatzten Übernahme durch Microsoft muss Aufsichtsratschef Roy Bostock die Situation retten.
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DÜSSELDORF. Das ist perfektes Timing. In Rekordtempo hat Roy Bostock gerade als Verwaltungsratschef der Fluggesellschaft Northwest die Fusion mit Delta durchgepaukt. Jetzt kann er sich voll auf seinen Job als Chef des Kontrollgremiums beim Internetkonzern Yahoo konzentrieren. Das ist auch dringend nötig: Seit Microsoft sein Übernahmeangebot zurückgezogen hat, brennt es lichterloh in der Yahoo-Zentrale im kalifornischen Sunnyvale. Der Aktienkurs ist auf Tauchstation, wutschnaubende Aktionäre drohen mit Klagen und einer Abwahl des Verwaltungsrats. Ein Troubleshooter ist gefragt. Einer wie Bostock.

Bis zum 15. Mai können die rebellischen Aktionäre noch eigene Gegenkandidaten für das Aufsichtsgremium nominieren. Bostocks Aufgabe wird es sein, die Wogen zu glätten und die Anteilseigner wieder auf die Linie des Vorstands einzuschwören.

Bostock soll CEO Jerry Yang aus der Schusslinie nehmen. Angeblich hat der Verwaltungsrat beschlossen, den abgebrühten 67-jährigen Manager mit neuen Gesprächen zu betrauen – und nicht den stark emotional involvierten Yahoo-Mitgründer Yang. Er soll mit den Aktionären reden oder mit Steve Ballmer, falls der Microsoft-Chef an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Bostock war ausgerechnet an dem Tag zum Chef des Gremiums ernannt worden, als Ballmer die Schlacht eröffnete.

Der Harvard-Absolvent bringt große Expertise mit, die ihm bei der heiklen Aufgabe helfen dürfte. Bostock sammelte bereits vor der Airline-Fusion einschlägige Erfahrung mit Übernahmen: 2002 hatte er maßgeblich den Verkauf der Agentur BCom3-Group an Publicis begleitet. Sein Geschick im Meistern kritischer Situationen bewies er etwa bei einem Pilotenstreik bei Northwest und bei der Bank Morgan Stanley, wo er auch im Board sitzt. Dennoch ist seine Rolle bei Yahoo nicht unumstritten.

Lange hatte er den glücklosen Yahoo-Chef Terry Semel und dessen Kurs gedeckt und zum bitteren Ende noch das 71 Mill. Dollar schwere Abfindungspaket abgenickt. Das hatte für Verstimmung bei den Aktionären gesorgt. In den Verhandlungen mit Microsoft vertrat er fest die Position Yangs und begrüßte zuletzt die Absage des Softwarekonzerns.

Beobachter glauben, dass Bostock deshalb nicht nur um Yahoo, sondern auch um seine eigene Zukunft kämpft. Am 3. Mai schrieb er, dass er „froh sei, dass so viele Aktionäre“ den harten Kurs gegen Microsoft mitgetragen hätten. Doch Großaktionäre wie Capital Research Global Investors sind schlicht sauer und monieren öffentlich, nicht angehört worden zu sein.

„Es wird enormen Druck auf Verwaltungsrat und Management geben“, sagt Peter Falvey vom Mergerspezialisten Revolution Partners. „Und zwar von enttäuschten Aktionären, aber auch Mitarbeitern, die ihre Optionen unter Wasser sehen“, ergänzt Larry Havery von der Investmentgesellschaft Gamco. Da sind viel Krisenmanagement und Feingefühl für Bostock angesagt.

Die entscheidende Yahoo-Hauptversammlung ist für den 3. Juli angesetzt. Am 4. Juli feiern die USA den Unabhängigkeitstag. Ob Yahoo ihn auch noch so erleben wird, liegt maßgeblich in den Händen Bostocks.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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