Royal-Ahold-Sanierer Anders Moberg
Die harte Ikea-Schule

Den Menschen aus dem südschwedischen Småland sagt man einen gewissen Geiz nach. Sie sind so etwas wie die schwedischen Schotten. So einer ist Anders Moberg. Er dreht jeden Cent zweimal um. Zum Leidwesen seiner Frau und seiner drei erwachsenen Kinder will er auch im Privatleben ständig feilschen.

STOCKHOLM. Zu seinem Job jedenfalls passt seine Krämermentalität gut. Er soll die durch einen Bilanzskandal ins Schlingern geratene niederländische Royal Ahold sanieren, einen der größten Lebensmittelhändler Europas.

Am Mittwoch berichtete der 56-Jährige über erste Teilerfolge seiner dreijährigen Sanierungsarbeit: Im ersten Quartal dieses Jahres verdoppelte Ahold den Vorsteuergewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 316 Millionen Euro. Und auch der Umsatz zog um knapp neun Prozent auf 14,1 Milliarden Euro an.

Doch auch nach diesem Lichtblick bleibt für den Schweden mit den buschigen Augenbrauen und den tiefblauen Augen, der 13 Jahre lang den schwedischen Möbelriesen Ikea leitete, noch viel zu tun.

Als Moberg im Frühjahr 2003 die Konzernleitung übernahm, stand Ahold am Rande des Ruins: Ein Buchführungsskandal in den USA hätte fast das Aus für den Konzern mit damals rund 230 000 Mitarbeitern bedeutet. „Wir haben die Tür zur Vergangenheit geschlossen“, sagt Moberg heute, will höchst ungern über die Sanierungsphase reden.

Es seien sehr schwierige drei Jahre bei Ahold gewesen, gibt der Mann mit den schmalen Lippen und dem silbergrauen, fülligen Haar dann doch zu, der – typisch schwedisch – immer in der kollektiven Wir-Form spricht.

Viel gelernt habe er, damals am Ikea-Stammsitz im südschwedischen Älmhult. „Ich drückte 29 Jahre lang Ingvar Kamprads Schulbank“, sagt Moberg, der gleich nach dem Gymnasium in der Kundendienstabteilung von Ikea arbeitete, und betont, wie viel er dem Ikea-Gründer Kamprad zu verdanken habe. „Gesunde Vernunft“, das sei das Wichtigste gewesen, dass ihm Kamprad eingebläut habe. Und natürlich Kundennähe. „Man kann keine gute Arbeit machen, wenn man nichts von der Sache versteht“, sagt er, und unterstreicht, dass er regelmäßig in den Ahold-Supermärkten auftaucht. Da er kein Mann der Medien ist, kann er unentdeckt zwischen den Regalen stöbern. Auch das ist Kampradsche Schule. Der 80-Jährige inspiziert noch immer selbst die Möbelhäuser.

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