Royal Bank of Scotland
„Fred the Shred“ droht jetzt selbst der Reißwolf

Rekordleistungen haben in Zeiten der Kreditkrise eine kurze Halbwertszeit. Erst ein halbes Jahr ist es her, dass Fred Goodwin, der Chef der Royal Bank of Scotland (RBS), ein Bankenkonsortium zum Sieg in der größten Übernahmeschlacht der Finanzgeschichte führte. Nun könnte eine milliardenschwere Kapitalerhöhung Fred Goodwin den Job kosten.

LONDON. Gemeinsam mit seinen Kollegen von der spanischen Großbank Santander und dem Benelux-Finanzkonzern Fortis schluckte die RBS die niederländische Traditionsbank ABN Amro für 71 Mrd. Euro.

Es war nicht nur die erste internationale feindliche Übernahme in der Finanzgeschichte, zum ersten Mal taten sich auch drei Geldhäuser zusammen, um ein viertes zu zerschlagen. Doch gerade dieser Husarenstreich könnte Goodwin jetzt den Job kosten. Sein knallharter Kurs hat dem 49-Jährigen den Spitznamen „Fred the Shred (Fred der Reißwolf)“ eingebracht, doch dieses Mal droht Goodwin selbst das Opfer zu werden.

Zwar konnte die RBS trotz Kreditkrise den Gewinn 2007 noch einmal um acht Prozent auf 9,9 Mrd. Pfund steigern. Doch die Belastungen aus der ABN-Übernahme und Abschreibungen von bislang 1,6 Mrd. Pfund für Verluste aus der Subprimekrise ließen das Kapitalpolster der Bank gefährlich schrumpfen. Seit Monaten machten Gerüchte die Runde, dass die Schotten frisches Geld brauchten, doch die RBS dementierte stets. Die jetzige Kehrtwende und die Vorbereitung einer etwa zehn Mrd. Pfund schweren Bezugsrechtsemission sorgt bei vielen Großinvestoren für Empörung. Kritische Fondsmanager brandmarkten den Übernahmehunger Goodwins schon länger als Größenwahn und warnten, dass sich die schottische Bank übernehme. Seit Beginn der Übernahmeschlacht um ABN Amro verlor die RBS an der Börse über 40 Prozent an Wert und steht damit noch schlechter da als die Konkurrenz.

„Es wird für Goodwin sehr schwer, das zu überstehen“ meint Robert Talibut von der Fondsgesellschaft Royal London Asset Management. Aus Kreisen der RBS heißt es dagegen, dass keiner so gut geeignet sei, die schwierige Integration von ABN umzusetzen wie Goodwin. Tatsächlich verdankt der zähe und listige Schotte seinen Ruf vor allem seinen wagemutigen Übernahmen. Kaum hatte der detailbesessene Manager im März 2000 den Sprung auf den Chefsessel der RBS geschafft, da paukte er auch schon die Übernahme der National Westminster Bank gegen interne und externe Widerstände durch. Dem damals 22 Mrd. Pfund teuren Deal fielen rund 18 000 Arbeitsplätze zum Opfer. Doch mit der kompromisslosen Integration und einer weiteren Serie von Übernahmen ebnete Goodwin der betulichen Regionalbank den Aufstieg in die erste Liga der europäischen Banken. Mit dem ABN-Amro-Erwerb könnte sich Goodwin aber tatsächlich übernommen haben.

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