Rudolf Rupprecht taugt nicht zum Totengräber
Bollwerk gegen die Zerschlagung

Die kräftige Statur von MAN-Chef Rudolf Rupprecht lässt erahnen, dass ihn so schnell nichts umhaut. Die Diskussionen um eine Zerschlagung von MAN begleiten und nerven den in Berlin geborenen Wahlbayern, seit er seinen Job 1996 als Nachfolger von Klaus Götte angetreten hat.

HB MÜNCHEN. Bis die Zerschlagungsgerüchte am Wochenende erneut aufkeimten, waren sie in der aktuellen Konjunkturflaute eigentlich immer leiser geworden. Der 63-Jährige empfand dabei Genugtuung. Da der Konzern breit aufgestellt ist, konnten Schnitzer in der einen Sparte durch Erfolge in anderen gelindert werden. Dennoch musste der Konzern vor vier Wochen die Vorhersage einer „nachhaltigen Ergebnisverbesserung“ für 2003 abschwächen und versprach nur noch eine Verbesserung des Vorjahresergebnisses (219 Millionen Euro).

Der Druck auf Rupprecht hat sich wieder erhöht. Dieser hatte nie ein Hehl daraus gemacht, dass mit ihm eine Zerschlagung nicht zu machen ist – weder als Vorstandschef noch später einmal als Aufsichtsrat. Sein Konzept für den Mischkonzern entzückt zwar nicht die Analysten, doch wurde es bislang vom Großaktionär Allianz durch Halten des Paketes gedeckt. Und das, obwohl die Allianz sich eigentlich von ihren Industriebeteiligungen trennen will.

Rupprecht liebt geordnete Bahnen in seinem Leben, wurde Ingenieur wie sein Vater. Seit 37 Jahren arbeitet er für MAN. Keiner kennt das Unternehmen so gut wie er. Nach seiner ersten Station im Diesel-Bereich sanierte er die Druckmaschinen. Anschließend brachte er die Nutzfahrzeuge wieder in Fahrt. Seine Erfolge prädestinierten ihn 1996 für den Chefsessel. Seither lebt er in der firmeneigenen, dezenten Werksvilla vor der Stadtmauer Augsburgs.

Als zu Jahresbeginn die Diskussion um die eigene Nachfolge hochkam, wurde schnell klar, dass die möglichen Kandidaten noch nicht reif genug für den Chefposten waren. Kurzerhand verlängerte der Aufsichtsrat den zum Jahresende auslaufenden Vertrag von Rupprecht um ein Jahr. Eine im Unternehmen für unwahrscheinlich geltende Besetzung von außen hätte die Diskussion um eine Zerschlagung wieder angeheizt. Das wollte die Allianz offensichtlich nicht.

Trotz der Verlängerung gilt Rupprecht aber nicht als Sesselkleber. Als er vor zwei Jahren vor allem wegen des Fehleinkaufs des britischen LKW-Bauers ERF unter Druck kam, soll er dem Aufsichtsrat seinen Rücktritt angeboten haben. Auch kokettierte er im vergangenen Sommer damit, dass er nicht unbedingt scharf auf ein Aufsichtsratsmandat sei. Rupprecht will wohl lieber gebeten werden, als sich selbst offen ins Spiel zu bringen.

Zum Totengräber von MAN taugt er nicht. Da müsste bei einem Verkauf der Nutzfahrzeuge schon ein adäquater Ersatz für MAN herausspringen. Denn sein Ansehen in seinem Wohnort war Rupprecht bislang immer mehr wert als die Phantasie von Frankfurter Investmentbankern.

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