Rücktritt nach Manager-Selbstmord
Das Denkmal Ackermann wankt

Es ist sein wichtigster Posten, den Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann aufgibt: Chefaufseher beim Versicherungsriesen Zurich. Der Selbstmord eines Managers bringt ihn dazu. Doch es scheint auch andere Gründe zu geben.
  • 25

DüsseldorfVor einigen Wochen war Josef Ackermann wieder da. Als Spin-Doktor im Hintergrund spann er im Siemens-Aufsichtsrat die Fäden, um die Nachfolge von Vorstandschef Peter Löscher beim Industriekonzern zu regeln. Dann gingen Meldungen um, der Ex-Deutsche-Bank-Chef bringe sich selbst in Position, um auch den Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Cromme zu stürzen und sich als Nachfolger zu etablieren.

Die Episode zeigt: Nach dem Rückzug von der Konzernspitze der Deutschen Bank ist Josef Ackermann weiter auf der Suche nach bedeutenden Posten in der Wirtschaft. Auch bei der Deutschen Bank hatte er sich einst als möglicher Aufsichtsratschef ins Gespräch gebracht. Ein ausgeprägter Machthunger ist spürbar. Dass der 65-Jährige jetzt sein derzeit wichtigstes Amt bei der Zurich Insurance Group aufgibt, ist ein Karrieredämpfer, der ihn hart treffen wird. Aber Ackermann scheint auch niemals so recht warm mit der Zurich geworden zu sein.

Die Umstände , unter denen Ackermann am Donnerstag mit sofortiger Wirkung das Mandat als Verwaltungsratspräsident des Versicherungskonzerns niedergelegt hat, sind alles andere als schmeichelnd. Der Selbstmord von Finanzchef Pierre Wauthier brachte ihn dazu. „Der unerwartete Tod Pierre Wauthiers hat mich zutiefst erschüttert“, wird Ackermann in einer Mitteilung zitiert. „Ich habe Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag.“ Er sehe eine weitere erfolgreiche Führung des Verwaltungsrates in Frage gestellt.

An der Börse sackte die Zurich-Aktie im frühen Handel um 3,2 Prozent ab. Seit Jahresanfang hat der Titel damit rund sechs Prozent verloren, während der europäische Versicherungssektor insgesamt um über zehn Prozent zulegte.

Wauthier war am Montag tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Er hat sich mit großer Wahrscheinlichkeit selbst getötet, wie die Polizei am Dienstag mitgeteilt hatte. Über die Motive von Wauthiers Schritt gibt es keinerlei Angaben. Die Ermittler der Polizei sagten nicht, ob ein Abschiedsbrief gefunden wurde. Im persönlichen Gespräch hatte Wauthier stets einen ruhigen und sehr freundlichen Eindruck gemacht.

Am Mittwochabend verkündete Ackermann seinen Rücktrittsentschluss der Konzernleitung. Aus Ackermanns Umfeld heißt es, dass die Witwe Wauthiers in Gesprächen Ackermann die Schuld am Tod ihres Mannes gibt. „Das hat sie explizit geäußert“, heißt es. Auch wenn die Vorwürfe wohl Ergebnis von Wut und Schmerz sind: Ackermann wolle nicht, dass ihn ein Teil der Belegschaft vorwirft, für den Tod des sehr beliebten Finanzchefs verantwortlich gemacht zu werden. Wauthier wurde 53 Jahre alt.

Dennoch ist esv schwer zu glauben, dass Ackermann, ein Oberst der Schweizer Armee, bei der Zurich Fahnenflucht begeht. Und aus seinem Umfeld ist daher auch zu hören, dass das Drama um den Finanzchef zwar Auslöser des Rücktritts war, der Entschluss aber auch tiefer liegende Gründe habe. „Es hing nie sein Herzblut an der Zurich“, ist zu hören.

Kommentare zu " Rücktritt nach Manager-Selbstmord: Das Denkmal Ackermann wankt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Schon die frühzeitige Feststellung "Selbstmord" seitens Ackermanns, der als Banker eher vorsichtig formulieren sollte, zieht die Aufmerksamkeit auf sich und muss Zweifel nähren.

    Auch in Deutschland scheint der "Lacke" von diesem Mann ab zu sein, ermittelt doch die Staatsanwaltschaft wegen möglicher Falschaussage vor Gericht gegen ihn.

  • Rüde Umgangsformen im Management? Als Außenstehender kann ich nicht mitreden. Aber wie das Management mit den Mitarbeitern umgeht( Minilöhne usw.)und selbst selbst hemmungslos bereichert, zeigt wie menschenverachtend die manaher mit Menschen umgehen. Trifft es Sie, weil Sie versagen, weinen Sie und nehmen sich nochmehr Boni.

  • Da stellt sich doch sofort die Frage, ob er überhaupt ein Gewissen hat...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%