Rücktritt
Spoerr schmeißt bei Freenet die Brocken hin

Überraschender Rücktritt beim Telekommunikationskonzern Freenet: Firmenchef Eckhard Spoerr verlässt zum 23. Januar 2009 das Unternehmen. Die Führungsetage traf die Entscheidung laut eigener Aussage unvorbereitet. Doch viel wahrscheinlicher ist, dass zahlreiche Anteilseigener seit längerem Druck auf Spoerr ausgeübt hatten.

gie/lou BERLIN. Nach monatelangem Tauziehen um den Chefposten bei Freenet nimmt Vorstandschef Eckhard Spoerr den Hut. Spoerr gehe auf eigenen Wunsch zum 23. Januar 2009, teilte das im TecDax notierte Unternehmen am späten Montagabend in Hamburg mit. Neuer Vorstandssprecher wird Joachim Preisig, bislang Vorstand für den Bereich Operations & Integrations. Die Position des Vorstandschefs (CEO) soll neu besetzt werden.

Der Aufsichtsrat nehme Spoerrs Entscheidung offiziell „mit Bedauern und Respekt“ zur Kenntnis. Berichten zufolge wollte Großaktionär Permira den Spoerr schon länger aus dem Chefsessel drängen. In Kreisen der Freenet-Aktionäre munkelt man, zahlreiche Anteilseigner hätten in den vergangenen Wochen massiv Druck auf Spoerr und den Aufsichtsrat von Freenet ausgeübt. Sie sind vor allem mit der Entwicklung des Aktienkurses unzufrieden. "In den vergangenen Monaten ist viel Aktionärsvermögen vernichtet worden", heißt es in den Eigentümerkreisen.

Den Grund dafür sehen die Anteilseigner unter anderem im Management von Spoerr. Er habe keine klare Linie verfolgt, um das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Noch vor wenigen Tagen hatte Spoerr gesagt, er habe keinen festen Terminplan für den ursprünglich bereits für November geplanten Verkauf der DSL-Sparte. Der fehl geschlagene Verkaufsversuch war vielen Aktionären der größte Dorn im Auge. Spoerr soll sich nach ihrem Willen ganz auf das Mobilfunkgeschäft konzentrieren.

Wie das Handelsblatt berichtet hatte, ist der Großaktionär Permira bereits seit Wochen auf der Suche nach einem Ersatzkandidaten für Spoerr. Sobald der gefunden sei, wollte die Beteilligungsgesellschaft auf einer außerordentlichen Hauptversammlung den Aufsichtsrat absetzen, der Spoerr weiterhin die Treue hält. Die außerordentliche Hauptversammlung scheint vom Tisch, da man sich nun offenbar hinter den Kulissen geeinigt hat. Experten gehen zudem davon aus, dass ein Nachfolger zumindest in Sicht ist, wenn Spoerr nun das Handtuch wirft.

Permira wolle neben Spoerr auch den Aufsichtsrat absetzen lassen, dessen Chef Helmut Thoma trotz schlechter Ergebnisse an Spoerr festhalte. Permira stehe mit seinem Unmut nicht alleine da, hatte die Zeitung geschrieben. Auch United Internet (UI) habe die Geduld verloren. UI-Chef Ralph Dommermuth hält rund 26 Prozent an Freenet. Aufsichtsratschef Thoma hatte damals gesagt, man müsse Spoerr jetzt arbeiten lassen. Die Zeit bis Mai sei nötig, um zu sehen, ob Spoerr die Integration des Telekom-Dienstleisters debitel gelinge.

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