Rückzug binnen zwölf Monaten
Steve Ballmer hört als Microsoft-Chef auf

Nach mehr als 13 Jahren an der Konzernspitze von Microsoft zieht sich Steve Ballmer zurück. Er hat den Software-Hersteller für das Zeitalter der mobilen Geräte umgebaut, hinterlässt aber viele offene Baustellen.
  • 6

SeattleEs ist keine schmeichelhafte Reaktion für Steve Ballmer: Als Microsoft am Freitag überraschend ankündigte, dass der Firmenchef innerhalb der nächsten zwölf Monate zurücktritt, schoss der Aktienkurs des Software-Herstellers kräftig nach oben. Die Anleger glauben offenbar, dass der Konzern die enormen Herausforderungen ohne dem impulsiven Manager besser meistern kann. Ein Sonderausschuss soll nun im Auftrag des Verwaltungsrates einen Nachfolger suchen – auch Firmengründer Bill Gates beteiligt sich daran.

Die Anleger blieben am Freitag bei ihrer positiven Einschätzung von Ballmers Abgang: Die Aktie legte zum Handelsschluss um über sieben Prozent auf 34,75 Dollar zu. Das steigerte den Wert des großen Aktienpakets des langjährigen Chefs um rund 850 Millionen Dollar.

„Es gibt niemals den perfekten Zeitpunkt für einen solchen Übergang, aber jetzt ist der richtige Zeitpunkt“, erklärte Ballmer in der Mitteilung. Microsoft brauche einen Chef, der für längere Zeit den Wandel zu einem Unternehmen für Geräte und Dienstleistungen begleiten werde.

In einem Interview mit dem Online-Dienst „ZDNet“ sagte Ballmer, er habe rund zweieinhalb Monate über seinen Rückzug nachgedacht. Endgültig sei die Entscheidung zwei Tage vor der Ankündigung am Freitag gefallen.

„Das zu tun, ist aufwühlend und schwierig für mich“, ließ der 57-Jährige die Mitarbeiter in einer internen E-Mail (hier eine Übersetzung der Mail) wissen. Er unternehme diesen Schritt aber im besten Interesse der Firma.

Microsoft steckt derzeit in einer schwierigen Übergangsphase. Getragen vom Erfolg seiner Windows-Betriebssysteme wurde das Unternehmen zu einer dominierenden Kraft im PC-Markt. Doch in den vergangenen Jahren verpasste der Konzern den Anschluss – an Google, das heute im Internet eine dominante Kraft ist; und an Apple, das mit iPhone und iPad die IT-Branche umkrempelte. 2007 verstieg sich Ballmer in die Aussage, das iPhone werde sich nicht sonderlich verkaufen. Sie steht stellvertretend dafür, dass Microsoft die Zeichen der Zeit zu spät erkannte.

Dabei tat Microsoft in den vergangenen Jahren durchaus viel, um sich auf die Welt der mobilen Computer einzustellen. Der Konzern überarbeitete sein Mobilfunk-Betriebssystem, machte Windows für Tablet-Computer tauglich und modernisierte seine Internet-Dienste. Und erst im vergangenen Monat krempelte Ballmer die Struktur des gesamten Konzerns um, um die Entwicklung von Hardware und Diensten zu beschleunigen.

Seite 1:

Steve Ballmer hört als Microsoft-Chef auf

Seite 2:

Ein bis in die Wolle gefärbter „Microsoftie“

Kommentare zu " Rückzug binnen zwölf Monaten: Steve Ballmer hört als Microsoft-Chef auf"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das ist die Konsequenz einer verfehlten Personalpolitik. Steve Ballmer hätte seinen Zögling Larson Green (Program Managerin Windows 8) beim Kernprodukt niemals mit dem Hausfrauen GUI für Windows 8 gewähren lassen dürfen. Für die meisten Anwender ist der Rechner mitsamt dem OS hauptsächlich immer noch ein Arbeitsgerät mit dem vornehmlich bestimmte Aufgaben erledigt werden müssen. Darauf laufen Finanzbuchhaltung, Tabellenkalkulation, Entwicklungsumgebungen etc. Und da möchte man nicht von Kacheln begrüsst werden, um sich das Zumba Workout oder ein Kochrezpet anzeigen zu lassen. Was für Tablets und Smartphones in Ordnung ist, gilt eben nicht für Desktop-Rechner. Joe Belfiore hat für Smartphones ein schönes und langfristig erfolgreiches Windows Phone 8 Betriebssystem gemacht. Das negative Image von Windows 8 hemmt nun das Wachstum von Windows Phone 8.

    Der Image Schaden für Microsoft ist enorm. Und mit dem blödsinnigen Windows 8 Startbildschirm hat man sogar der Konkurrenz das Tor zur Business Welt geöffnet. Welcher halbwegs vernünftige Konzernchef würde Windows 8 als Client Betriebssystem in der Firma einsetzen, welches die Mitarbeiter dazu einlädt alles andere zu machen nur nicht ihre Arbeit zu erledigen.

    Steve Ballmer hat viel zu spät mit der Neuentwicklung von Windows Mobile begonnen. Ergebnis ist das Windows Phone 7/8. Zum Glück hat er das nicht verbockt. Windows Phone 8 wird zusammen mit Nokia und anderen Herstellern seinen Weg machen. Die Nokia Lumia Smartphones sind sehr robuste, elegante und leistungsfähige Werkzeuge. Dafür hat Ballmer nun das Brot und Butter Geschäft von Microsoft ernsthaft in Gefahr gebracht. Sein Abgang ist überfällig und sollte jetzt schnell vollzogen werden. Microsoft's Geschäftsmodell ist ernsthaft in Gefahr.

  • https://www.youtube.com/watch?v=wvsboPUjrGc

    Der Affe geht!!!

    Nieder mit Microsoft!

  • Absolut vorbildhaft, unter 60 in den Ruhestand zu gehen. Da sollten sich die Greise hierzulande in Politik und Wirtschaft ein Beispiel dran nehmen. Und da will in Deutschland ein 70-jähriger Greis Kanzler werden. Traurig aber wahr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%