Rückzug von Bill Gates
Das Erbe der Spinne

William H. (Bill) Gates jr., nach seinem Ritterschlag durch Königin Elizabeth II. im vergangenen Jahr eigentlich – wäre er Brite – Sir William Gates, will sich schrittweise aus dem aktiven Management von Microsoft zurückziehen und sich in zwei Jahren ganz auf die Führung der Bill & Melinda Gates Foundation, der größten gemeinnützigen Privatstiftung, konzentrieren. Er bleibe allerdings Vorsitzender des Aufsichtsrates und damit als Oberaufseher dem von ihm gegründeten Softwarekonzern erhalten.

PORTLAND. Die Nachricht vom vergangenen Donnerstag ließ die Börse weitgehend kalt. Der Kurs der Microsoft-Aktie zog sogar leicht an. Eine Reaktion, die die Frage aufwirft, wie wichtig Gates überhaupt noch für Microsoft ist.

Der größte Softwarekonzern der Welt, so geht aus verschiedenen aktuellen Analysen hervor, ist überreif für einen Wechsel an der Spitze. „Ein neuer Besen soll die Spinnweben bei Microsoft wegfegen“, kommentiert Richard Edwards, Analyst bei der Butler Group, die Ernennung von Ray Ozzie zum Nachfolger von Gates als Chefarchitekt für Software.

Obwohl Microsoft weiter Rekordumsätze macht und jeden Monat rund eine Milliarde Dollar netto verdient, werden die Banker an der Wall Street den Verdacht nicht los, dass die seit 25 Jahren andauernde Vormacht des Konzerns bei Personalcomputern dem Ende entgegengeht. Schnelle Internetanschlüsse für jedermann haben den Markt für Informationstechnologie umgekrempelt, Google hat den Erfolg eines neuen Geschäftsmodells demonstriert, gegen das Microsoft mit seinem Desktop-Monopol machtlos sein könnte. Als Folge sackte die Aktie trotz massiver Rückkäufe zuletzt stetig ab.

Das traditionelle Erfolgsrezept von Microsoft, die Ideen anderer in die eigene Software für Personal-computer zu integrieren und damit innovative Konkurrenten quasi mit deren eigenen Produkten zu schlagen, das funktioniert nicht mehr reibungslos. Während sich die nächste Version des Windows-Betriebssystems weiter verzögert, spielt Microsoft als Portal und Suchmaschine im Internet bislang eine ungewohnte Nebenrolle. Noch sehen die tragenden Umsatzsäulen aus Windows, Programmen wie Office und Server-Software solide aus, aber niemand weiß, ob der Konzern künftig im Internet so viel gewinnen kann, wie er mit seinem traditionellen Geschäftsmodell verliert.

„Im Computergeschäft herrscht immer Übergangszeit“, sagt Gates, 50, auf derartige Risiken angesprochen, dann gerne. „Innovation wird ständig vorangetrieben, und die Geschwindigkeit dabei steigt eher noch.“ Microsoft aber hätte aus den Beispielen von Firmen wie Wang oder Digital Equipment gelernt, die von Veränderungen überrollt wurden. Die Firma sei darauf eingestellt, sich den Veränderungen anzupassen. Seit zwei Jahren denke er bereits über einen Ausstieg aus dem Tagesgeschäft nach, sagt Gates.

Den Posten des Vorstandschefs gab er bereits im Jahre 2000 an Steve Ballmer ab. Damals nahm er sich in erster Linie als Reizfigur aus der Schusslinie der US-Justiz, die Microsoft 1998 wegen angeblicher Monopolpraktiken verklagte und in einem der größten Kartellverfahren der Nachkriegszeit die Zerschlagung des Softwarekonzerns forderte.

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