Rüdiger Grube
Warum es so schwer ist, Bahn-Chef zu sein

Rüdiger Grube ist seit anderthalb Jahren Chef der Deutschen Bahn, die jetzt ihr 175. Jubiläum feierte. Doch erst in den jüngsten Monaten ist der 59-Jährige wirklich im Amt angekommen und hat seine öffentliche Rolle angenommen, die der des Fußballbundestrainers gar nicht so unähnlich ist.
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DÜSSELDORF. Als Rüdiger Grube am Dienstagabend nach Nürnberg reiste, konnte sich der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn auf einen harmonischen Abend einstellen. 400 Gäste waren angekündigt, um das deutscheste aller Unternehmen zu ehren. Sogar die Bundeskanzlerin war gekommen und sprach die Festrede auf der Veranstaltung zum Jubiläumsjahr "175 Jahre Eisenbahn in Deutschland" im Nürnberger Verkehrsmuseum, denn in Nürnberg war am 7. Dezember 1835 mit dem Adler die erste Lokomotive in Deutschland gestartet.

Probleme mit Achsen des ICE? Defekte Klimaanlagen und kollabierende Fahrgäste? Proteste gegen den Bahnhofsumbau in Stuttgart? All die Widrigkeiten der vergangenen Monate schrumpften vor dem Hintergrund von 175 Jahren Eisenbahngeschichte zu Fußnoten - und Rüdiger Grube konnte zusammen mit seiner Kanzlerin auf ein Jahr zurückblicken, das beide auf eigentümliche Weise zusammengekettet hat und das im Rückblick gar nicht so schlecht gelaufen ist, zumindest für ihn.

Grube ist seit anderthalb Jahren Chef der Deutschen Bahn, doch erst in den jüngsten Monaten ist er wirklich im Amt angekommen - denn ein Bahn-Chef ist erst dann ein echter Bahn-Chef, wenn das Land seinen Namen kennt, wenn es weiß, wer daran schuld ist, dass der Zug zu spät kommt. Grube musste gar nicht warten, bis sein Unternehmen wie jedes Jahr vom Winter überrascht wurde. Bei ihm geschah es bereits mit den Protesten gegen den Bahnhofsumbau in Stuttgart, dass die Zeitungen in den Überschriften seinen Vornamen Rüdiger gegen "Bahn-Chef" eintauschten: Bahn-Chef Grube will Stuttgart 21!

Mittlerweile hat er diese öffentliche Rolle angenommen. "Anfangs habe ich meinen Mitarbeitern noch jeden Tag gesagt: Wir müssen doch mal aus den Schlagzeilen rauskommen. Es kann doch nicht sein, dass die Bahn jeden Tag Thema ist", sagt Grube. Doch dann hat er gelernt, dass sein neues Amt dem des Fußballbundestrainers gar nicht so unähnlich ist, dass sein ganzes Unternehmen eine einzige große Nachricht ist. Knapp 300 000 Beschäftigte, 33 Milliarden Euro Umsatz, knapp zwei Milliarden Bahnreisende im Jahr auf gut 34 000 Schienenkilometern und dann auch noch ein staatseigenes Unternehmen - beinahe jeder Deutsche hat mit der Deutschen Bahn zu tun und eine Meinung dazu. "Es gibt eine Million Bahn-Chefs hierzulande", beschrieb Grube dieses Phänomen Dienstagabend. Und inzwischen hält Grube es wie sein Vorgänger Hartmut Mehdorn, der sich zu nahezu jedem diskutierten Bahnthema äußerte.

Es ging damit los, dass Sanitäter vor wenigen Monaten ICE-Fahrgäste aus den Zügen trugen, weil die Klimaanlagen ausgefallen und die Waggons überhitzt waren. Die Berichte darüber schafften es auf die Titelseiten. Auch als Schaffner Kinder und Jugendliche, die ihre Fahrausweise vergessen hatten, vor die Tür setzten, war das nicht gut für das Image. Stets war Grube sogleich zur Stelle, zeigte sich betroffen und versprach Abhilfe.

Der Präsidenten-Grube ist beliebt, der Mehdorn-Grube feuert Vorstände

Grube hat die Rolle des Bahn-Chefs zudem ausgebaut: Er gibt sich im Gegensatz zu seinem bisweilen wenig diplomatischen Vorgänger oftmals etwas bundespräsidentenhaft, so wie Horst Köhler, als er noch nicht aus der Verantwortung geflohen war. Er ist ein Bahn-Chef, den viele Menschen mögen, weil er weiß, wie man sich volksnah inszeniert, und dass die Leute das erwarten. Sein schneller Griff zur Visitenkarte kommt immer gut an.

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  • Es ging damit los, dass Sanitäter vor wenigen Monaten iCE-Fahrgäste aus den Zügen trugen, weil die Klimaanlagen ausgefallen und die Waggons überhitzt waren....

    Eben und Leute die das Problem kennen sind in Deutschland in Leiharbeit beschäftigt und aufgrund dessen ein unabhängiges Fehlermanagements, welches im Vebund der EbA Gutachter, der zugehörigen Führungskräfte in der bahnindustrie, nicht möglich ist.

    Mariana Mayer, seit 6 Jahren aufgrund von Mobbingattacken innerhalb der bahnindustrie und des Eisenbahnbundesamtes geduldeten bzw. Leiharbeitsunternehmen iCS AG, der Klüngelabsprachen der dort geführten bahnindustrie arbeitslos.

    Mein Gehalt betrug innerhalb der bahnsicherheit 2400 Euro brutto, ich bekm keine Ausbildung - Weiterbildung etc, sondern wurde dahingesetzt mit: Mach mal und minimaler Einarbeitung die dieseLeute als ihr Knowhow verkaufen. Für mich wurden 90 000 Euro pro Jahr ich vermute auch aus EU- Forschungsgeldern bezahlt. Doch über diese Abläufe bin ich nie informiert worden.

    Sondern lediglich als Leiharbeiter unter Druck gesetzt und bedroht worden und diese bedrohungen uwrden auch innerhalb der Personalabteilungen verwirklicht. Sei es bosch Thales oder Alcatel. Sie werden systematisch ausgegrenzt weil interne Absprachen bestehen und diese Diktatur die der Ausbeutung von Leiharbeitern dient konsequent eingehalten wird in Deutschland.

    betrachten wir unabhängig diesen Vorgang indem auch Stuttgart21 eine Rolle spielt, insbesondere unsere Fakultäten in Karlsruhe und Stuttgart, merken wir woran die EU in Deutschland scheitert.

    Kleine Schlägertrüppchen die für sich die Gelder einstreichen sind Tagesalltag, während es in Deutschland 1 Million Leiharbeiter und dazu kommen noch Subunternehmen gibt.

    Die Folge sind: innerhalb der bahn gibt es zahlreiche Unfälle. die Lausbeutende eiharbeit in Deutschland ist ein wesentlicher Faktor davon.

    ich wurde massiv unter Druck gesetzt und es wurde massiv in mein Privatleben und zwar ganz bewusst und vorsätzlich eingegriffen.

    Mobbingtreiber sitzen in hochbezahlten positionen und ihr Auftrag ist es unfälle zu vertuschen.

    ich als alleinerziehnde Frau wurde massiv unter Druck gesetzt und gleichzeitig wird immer gegen andere gehetzt , z.b. die Mafia in italien oder die Franzosen. Das ist die Presse die wir jeden Tag zu hören bekommen von klein auf. Doch gegen die Deutschland Mafia macht keiner den Mund auf!

  • Podjemkin läßt grüßen, höchste Zeit, etwas zu tun, die Leute warten genug auf den bahnsteigen!

    Herzliche Einladung! Oben bleiben!
    11ter_Dezember_ZwanzigZehn_um_14_Uhr_Großdemo_gegen_S21_StuttgartHbf (so wirds gehen!)

  • Schon ein Skandal, wie Hb die Leserkommentare unterdrückt! Propagandajournalismus, weiter nichts!

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