Ruf-Verteidiger im Netz
Die digitalen Kehrmaschinen

Ob diffamierende Fotos oder peinliche Texte über den Ex-Freund: Spezialisierte Firmen entfernen für Privatpersonen oder Unternehmen unliebsame Spuren im Netz. Noch ist der Markt überschaubar, doch das Geschäft wächst.
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DüsseldorfSie heißen Secure.me, Dein guter Ruf.de oder Saubere Weste - das sind Unternehmen, die mit dem Ruf fremder Menschen im Internet Geld verdienen. In Deutschland gibt es rund ein Dutzend sogenannter "Online-Reputation-Defender". Im Auftrag von Privatkunden, aber auch von Managern und Unternehmern analysieren Informatiker, Betriebswirte und PR-Berater zunächst das gesamte Netz. Haben sie diffamierende Fotos oder Texte gefunden, kontaktieren sie die Betreiber der jeweiligen Webseite und fordern sie auf, die Einträge zu löschen.

Wehrt sich der Betreiber, raten die Experten ihren Kunden, vor Gericht zu klagen. Online-Reputation-Defender sind gleichsam digitale Kehrmaschinen. Sie entfernen, was Nutzer häufig auch selbst zu verantworten haben - etwa peinliche Texte über den Ex-Freund oder Fotos von Besäufnissen.

Doch neben der Kontrolle und Korrektur von Einträgen einzelner Personen bieten sie auch Reputationsmanagement an. "Wir helfen Geschäftsleuten oder Freiberuflern dabei, alte Einträge, die nicht mehr gelöscht werden können, durch aktuellere Texte in der Google-Suchergebnisliste nach hinten zu verschieben", sagt Christian Keppel, Projektleiter des Essener Unternehmens Dein guter Ruf.de.

Seit Gründung der Firma 2008 habe sich der Umsatz mehr als verzehnfacht. Immer mehr Menschen - 40 Prozent der Kunden sind Geschäftsleute - nehmen die Hilfe professioneller Vermittler in Anspruch. Nicht immer ist der Erfolg programmiert. Denn sitzt der Betreiber einer Webseite nicht in Deutschland, geht es aus Rechtsgründen meist nicht ohne juristischen Beistand, häufig muss sogar ein Anwalt eingeschaltet werden. Entweder sind die Datenschutzbestimmungen deutlich lockerer als hierzulande - oder erst gar nicht vorhanden.

Doch Keppel weist auch darauf hin, dass in vielen Fällen Kunden selbst verantwortlich für ihren schlechten Ruf im Internet sind: Erst übertragen sie ihr Offline-Leben leichtsinnig in die virtuelle Welt - und später möchten sie dann, dass die Einträge gegen kleines Geld gelöscht werden.

Für einzelne Fotos, Links oder Texte, die entfernt werden sollen, fallen meist weniger als 30 Euro an. Bei Härtefällen, in denen der Rat eines Anwalts nötig ist, wird ein Gesamtpreis fällig, der in die Hunderte Euro gehen kann. Secure.me hat ein etwas anderes Geschäftsmodell. Das Münchener Unternehmen überwacht 24 Stunden, sieben Tage pro Woche das soziale Netzwerk Facebook.

Wer sich bei Secure.me registriert, für den scannt der Anbieter, was mit dem eigenen Profil und dem der Freunde passiert. Mit Hilfe der biometrischen Gesichtserkennung beispielsweise kann das Unternehmen seine Kunden informieren, wenn sie auf Fotos zu sehen sind, mit denen sie nicht verlinkt sind. Nach eigenen Angaben hat Secure.me täglich mehr als 100.000 Nutzer. Einer der ersten Anbieter auf dem deutschen Markt war Thomas Schulte.

Der Anwalt und Verbraucherschützer ist Gründer des Portals Saubere Weste. Zu ihm kommen ausschließlich Unternehmer und Manager, die sich ein besseres Image wünschen. Weil das Internet nichts vergisst, wie Schulte erklärt. Doch der Markt der digitalen Kehrmaschinen ist noch recht überschaubar, einen unabhängigen Qualitätsstandard gibt es bislang nicht. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft empfiehlt daher, sich selbst regelmäßig zu googeln - und aufzupassen, welche Spuren jeder einzelne im Netz hinterlässt.

Kommentare zu " Ruf-Verteidiger im Netz: Die digitalen Kehrmaschinen"

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  • Um seinen eigene Ruf im Netz zu kennen und zu managen, braucht man in der Regel keinen kostenpflichtigen Dienst. Diese Reputationsmanager versprechen häufig mehr, als sie letzten Endes halten. Das wissen wir aus eigener Erfahrung. ;-)

    Siehe auch http://blog.yasni.de/business/versicherungsschutz-fuer-die-identitaet-im-netz/.

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