Ruhestand
Citigroup-Gründer tritt ab

Am Ende waren alle wieder Freunde. Mit viel Lob verabschiedete Citigroup, die weltgrößte Bank nach Börsenwert, am Dienstag ihren Gründer und Aufsichtsratsvorsitzenden Sanford „Sandy“ Weill in den Ruhestand. Seinen Posten übernimmt Charles „Chuck“ Prince.

tmo NEW YORK Der gelernte Anwalt Prince leitet künftig in Personalunion als Chief Executive Officer (vergleichbar mit dem deutschen Vorstandsvorsitz) die Geschäftsführung und als Chairman (entspricht etwa dem deutschen Aufsichtsratsvorsitz) das Kontrollgremium.

Bei Citigroup herrschte allerdings zuletzt Krach zwischen dem Gründer Weill und dem von ihm selbst auserkorenen Nachfolger Prince. Im vorigen Sommer mussten beide öffentlich ihre Einigkeit beschwören und Gerüchte dementieren, wonach Weill vorzeitig zurücktreten wollte. Die US-Zeitung „Wall Street Journal“ berichtete damals, Weill sei frustriert über Princes Umbau der Citigroup. Laut Medienberichten endete Weills Ausbruchsversuch, nachdem der Aufsichtsrat drohte, seine üppigen Ruhestandsbezüge bei vorzeitigem Rückzug zu kappen.

Ein unrühmlicher Abgang bleibt Weill, der am Donnerstag 73 Jahre alt wurde, nun erspart. Citigroups Kontrollgremium verlieh dem legendären Banker den Ehrentitel „Chairman Emeritus“, um seinem Lebenswerk Anerkennung zu zollen. Weill, der im ruppigen New Yorker Stadtteil Brooklyn aufwuchs, schuf die mit einem Börsenwert von 235 Mrd. Dollar mit Abstand weltgrößte Bank in einer Serie mutiger Übernahmen.

Die Wurzeln der heutigen Citigroup liegen in Baltimore, wo Weill vor mehr als zwanzig Jahren bei dem Verbraucherkreditbüro Commercial Credit einstieg. In den folgenden Jahren übernahm Weill eine Reihe größerer Finanzkonzerne, einschließlich des Versicherers Travelers und der Investmentbank Salomon Brothers, bis zur legendären Fusion mit dem Bankriesen Citicorp. Heute zählt Citigroup mit rund 300 000 Mitarbeitern in den meisten Ländern der Erde zu den weltweiten Topadressen in beinahe jeder Disziplin des Bankgeschäfts.

Der gelernte Anwalt Prince hat den Finanzriesen in den vergangenen Jahren umgebaut. Kurz nachdem Weill im Herbst 2003 den Vorstandsvorsitz an Prince übergab, richtete dieser Citigroup weniger auf milliardenschwere Übernahmen und stärker auf organisches Wachstum aus eigener Kraft aus. Als Antwort auf eine Serie von Skandalen, die unter anderem zur Schließung der Citigroup-Privatbank in Japan führten, verstärkte Prince die internen Kontrollen des Finanzriesen.

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