Rupert Murdoch
Murdoch, der Geheimniskrämer

Rupert Murdoch verliert mitten in der Medienkrise seinen wichtigsten Manager, Peter Chernin. Wer soll nun den bald 78-jährigen Patriarchen bei seinem Konzern News Corp. beerben?

NEW YORK.Rupert Murdoch besitzt die US-Wirtschaftszeitung "Wall Street Journal". Doch wer nach Insider-Nachrichten aus dem Medienimperium News Corp. forscht, ist mit der Branchengazette "Deadline Hollywood Daily" bisweilen besser bedient. Sie enthüllte zu Wochenbeginn ein streng gehütetes Geheimnis: Peter Chernin, seit zwölf Jahren Erfolgsgarant von News Corp. und die rechte Hand Murdochs, wird den Konzern Ende Juni verlassen. Die Personalie hat weitreichende Konsequenzen, weil Murdoch, der im März 78 Jahre alt wird, nun bei der Unternehmensnachfolge Farbe bekennen muss.

Analysten hatten das Tauziehen um eine Vertragsverlängerung Chernins mit zunehmender Sorge beobachtet. So kassierte Richard Greenfield vom Beratungshaus Pali Research seine Kaufempfehlung für die Aktie ein und riet stattdessen zum Verkauf: "Ein Ausscheiden Chernins dürfte Investoren erheblich beunruhigen und zu weiteren Wechseln im Management führen", schrieb er.

Chernin, 57, pflegte Fragen nach seinen weiteren Ambitionen im Hause News Corp. so zu beantworten: "Ich wärme nur den Sitz für einen Murdoch." Dafür durfte er ein höheres Jahressalär einstreichen als Murdoch selber, zuletzt 28,8 Millionen Dollar.

Der heiratslustige Medienzar hatte Investoren 2006 einen Nachfolgeplan skizziert und Chernin außen vor gelassen. Demnach sollen die vier Murdoch-Kinder aus erster und zweiter Ehe - James, Elisabeth, Lachlan, und Prudence - die Kontrolle über den Familientrust erhalten, der News Corp. kontrolliert: "Sollte ich morgen unter einen Bus geraten, werden die vier zu entscheiden haben, wer von ihnen die Führung übernimmt", bemerkte der gebürtige Australier damals mit bekannt spitzem Humor.

Als Kronprinz wird der jüngste Sohn James gehandelt, der seit Ende 2007 die Geschäfte von News Corp. in Europa und Asien leitet. Der 36-Jährige führt damit Regie nicht nur auf TV-Kanälen wie BSkyB (Großbritannien), Star (Indien) oder Sky Italia, sondern auch bei der Rettung des angeschlagenen deutschen Bezahlsenders Premiere. Die Murdoch-Nachfolge wäre wohl perfekt, wenn der Spross nun auch Chernins Bereiche übernehmen würde, darunter die hochprofitablen Hollywood-Filmstudios (20th Century Fox) und die Senderkette Fox in den USA.

Vater Murdoch bleibt seiner Geheimniskrämerei jedoch treu: Als Hollywood-Agenturen bereits James Murdoch als Nachfolger Chernins melden, erklärt der kauzige Medienbaron via Pressemitteilung: Er selber werde die Geschäfte übernehmen - "vorerst", wie er einschränkt.

Der Mann lässt eben nicht los von seinem Imperium, schon gar nicht in schweren Zeiten. "Rupert möchte die Welt regieren - und er scheint es auch zu tun", hat Viacom-Chef Sumner Redstone einst über seinen großen Rivalen gesagt. Dabei läuft Murdoch Gefahr, das Rad zu überdrehen. Anfang der 90er-Jahre geriet sein Konzern in Schieflage, weil er durch Übernahmen Schulden aufhäufte.

Diesmal ist es vor allem Murdochs Liebe für Printprodukte, die News Corp. zu schaffen machen. Die fünf Milliarden Dollar schwere Übernahme von Dow Jones und der Trophäe "Wall Street Journal" kurz vor Beginn der US-Rezession steht bis auf weiteres als Fehlinvestition in den Büchern. News Corp. schrieb kürzlich 8,4 Milliarden ab, darunter drei Milliarden Dollar auf das weltweite Sammelsurium an Zeitungen.

Zwar befinde man sich in einer schweren Phase, in der viele Menschen "unter extremem Druck" und viele Firmen "tödlich verwundet" seien, schreibt Murdoch zum Abschied Chernins an seine Belegschaft: "Wir haben aber schon immer von Veränderungen und Herausforderungen profitiert." Alles wird anders, das ist seine Botschaft: Nur der Chef bleibt weiterhin der Chef!

Rupert Murdoch

1931 Rupert Murdoch wird am 11. März in Melbourne geboren. Sein Vater ist einer der einflussreichsten Verleger Australiens.

1954 Murdoch absolviert nach dem Volkswirtschaftsstudium in Oxford ein Volontariat beim Londoner "Daily Express". Nach dem Tod seines Vaters übernimmt er dessen Familienunternehmen und kauft andere Medienfirmen.

1969 Er übernimmt die britischen Zeitungen "News of the World" und "Sun". Vier Jahre später wird er in den USA aktiv.

1999 Murdoch beendet sein teures Engagement beim deutschen Fernsehsender Vox.

2004 Seine News Corp. zieht von Australien in die USA um.

2009 Murdoch erhöht die Beteiligung am Abofernsehsender Premiere auf 29 Prozent. Sein Vizechef Peter Chernin kündigt am 24. Februar seinen Rücktritt an.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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