Management
Ruperts liebe Familie

Der schwarze Mercedes schießt aus der Einfahrt des Sendergebäudes von BSkyB im schmucklosen Westlondoner Industrieviertel. Plötzlich bremst die Limousine noch einmal kurz ab. Zehn Sekunden Blitzlichtgewitter – das muss einfach sein. Und das weiß keiner besser als Rupert Murdoch, der sich in die schneeweiße Lederrückbank des Wagens drückt.

LONDON. Dabei gehört dem 72-jährigen US-Australier an diesem Abend gar nicht die volle Aufmerksamkeit. Die meisten Kameras zielen auf den jungen Mann neben ihm. James Murdoch, 30 Jahre, jüngster Sohn und frisch gebackener Chef des größten europäischen Bezahlsenders. Er ist soeben vom BSkyB-Vorstand auserkoren worden – auch wenn am Ende Papas Liebling der einzige Kandidat war. Die Neubesetzung war nötig, weil Tony Ball seinen Rückzug angekündigt hatte.

Etwas unsicher wirkt der neue starke Mann noch mit dem studentischen Brillengesicht, das sich im Panzerglas der Autoscheibe spiegelt. Kurz hebt er die linke Hand, bevor die Limousine in der schwarzen Londoner Nacht verschwindet. Es ist keine Abwehr, sondern wirkt wie eine kurze, huldvolle Geste. Dabei blinkt kurz ein goldener Ring am Finger auf. Seht her, hier kommt der neue König der Medien!

Doch der Jubel bleibt aus. James Murdoch muss sich in England auf heftigen Gegenwind einstellen. Viele BSkyB-Investoren sind schon vor der Entscheidung Sturm gegen seine Wahl gelaufen. In der ehrwürdigen Londoner Finanzcity halten Anleger den smarten Mann einfach für zu jung und zu unerfahren. Ganz einleuchtend ist dies nicht, denn James hat in den vergangenen Jahren für den väterlichen Konzern News Corp. den asiatischen Satellitenkanal Star TV aus der Verlustecke geholt und in ein profitables Unternehmen verwandelt.

Es ist eher die „Angst vorm bösen Wolf“, beschreibt ein Medienexperte in London die Stimmung gegen die Murdoch-Berufung. So wie sich der deutsche Kanzler einst gegen einen Einstieg des Medienmilliardärs auf dem deutschen TV-Markt ausgesprochen hat, so fürchten die britischen Aktionäre, dass der erfolgreiche Pay-TV-Sender auf der Insel mit einem Chairman Rupert Murdoch und einem Chief Executive Officer James Murdoch zu sehr unter den Einfluss der Familie kommt. Murdochs News Corp. kontrolliert den Sender ohnehin schon mit einem Anteil von 36 Prozent.

So steckt mehr hinter dem jüngsten Machtkampf um den Topjob in London. Der 72-Jährige hat mit seinem Sohn nicht nur mal wieder seinen Kopf („James ist der Beste für den Job“) durchgesetzt. Die Entscheidung ist auch ein klares Signal, wer den Kurs bestimmt: Käpten Rupert. Der Mann, der nach dem Tod seines Vaters, eines durchaus angesehenen Journalisten, aus einem kleinen australischen Zeitungsverlag den weltweiten Medien- und Unterhaltungskonzern News Corp. geschaffen hat, gibt das Ruder nicht so schnell aus der Hand.

Auch in der Familie. Seit Jahren macht der Patriarch um seine Nachfolge eine öffentliche Quiz-Show. Jedes seiner drei Kinder aus zweiter Ehe wurde schon mal gehandelt: zuerst die älteste Tochter Elisabeth, 35, die schon bei BskyB als Managerin auf der Karriereleiter ganz oben war – bis sie den Machtkampf mit Tony Ball verlor. Dann galt Sohn Lachlan, 32, als aussichtsreicher Kandidat. Er ist seit zwei Jahren stellvertretender Generaldirektor von News Corp. Der Vater hatte ihm schon früh Verantwortung im Konzern übertragen.

Mit seinem Aufstieg bei BSkyB werden nun auch seinem jüngeren Bruder James gute Chancen eingeräumt. Sollte ihm nach der Sanierung in Asien ein Erfolg bei BSkyB gelingen, dürfte ihm das Wohlwollen vom Papa sicher sein.

Leicht wird dies nicht. BSkyB ist in den vergangenen Jahren bereits auf sieben Millionen Abonnenten gewachsen. Die Zukunft des Senders hängt nun von neuen Angeboten ab, vor allem im interaktiven Shoppingbereich. „Das wird schwerer als bei Star TV“, so ein Analyst.

Und Rupert Murdoch lässt sie alle gerne zappeln. So dachte er nach der Heirat mit der jungen Chinesin Wendy und überstandenem Prostata-Krebs vor einigen Jahren mal laut darüber nach, ob nicht auch ein Manager von außerhalb der Familie die News Corp. leiten könne. Das Problem ist nur: Er will gar nicht aufhören. Das hat er erst wieder Mitte Oktober verkündet. „Man muss mich hier schon raustragen“, knurrte er auf der Hauptversammlung seines Konzerns.

In der kommenden Woche dürfte die Stimmung bei der Hauptversammlung von BSkyB in London noch unangenehmer werden. Doch die Macht von „Rupert, dem Eroberer“, wie eine Zeitung titelte, dürften die wütenden britischen Anleger nicht brechen. Auch das wird er überleben. „Rupert wird niemals auf der Parkbank sitzen und Tauben füttern“, ist ein Wegbegleiter sicher.

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