Russische Großinvestoren
Mysteriös und transparent

Russland ist ein Land der Gegensätze. Das gilt auch für seine Großinvestoren: Den klassischen Oligarchen und dem Staat ist wenig an Öffentlichkeit und Kritik gelegen. Fondsgesellschaften wie Prosperity Capital müssen unter diesem Transparenz-Mangel leiden.

MOSKAU. Alexander Branis zu treffen, ist ausgesprochen einfach. Das Moskauer Büro von Prosperity Capital, dessen Direktor er ist, liegt in einem Geschäftszentrum im traditionellen Kaufmannsviertel Zamoskworetschi. Die Räume wirken nüchtern, im Eingang stapelt sich Faxpapier. Das Konferenzzimmer kennt kaum Deko, auf dem Fensterbrett steht nur ein kleiner Glaspokal: Er erinnert an den ersten Fonds, den Prosperity mit 27 Mill. Dollar aufgelegt hat. Das war 1996.

Heute verwaltet Prosperity rund 4,5 Mrd. Dollar – und Branis ist der Mann, der entscheidet, wie dieses Kapital investiert wird. Die Fondsgesellschaft ist derzeit die Nummer eins für ausländische Investoren in Russland und sie steht für einen neue Investorengruppe, die das Wirtschaftsleben Russlands prägt.

Branis selbst sieht älter aus als die 30 Jahre, die er zählt. Vielleicht macht das der Nadelstreifenanzug, vielleicht aber auch einfach das Geschäft. Für sein Alter hat er schon eine Menge gesehen. Er saß unter anderem im Aufsichtsrat des staatlichen russischen Stromkonzerns RAO UES. Diese Zeit hat ihn in einer Erkenntnis bestärkt - staatliche kontrollierte russische Konzerne bei Investitionen zu meiden: Gazprom, Rosneft oder die Sberbank finden sich nicht im Portfolio von Prosperity: „Die Interessen privater Anleger und des Staates lassen sich oft nicht unter einen Hut bringen“, hat Branis bei UES gelernt.

Gegründet haben die Firma zwei Schweden, Mattias Westman und Paul-Leander Engstrom, doch nur noch Westman ist aktiv dabei und vermarktet die Gesellschaft und ihre Produkte von London aus. Ihren Sitz hat Prosperity auf den Cayman Inseln, doch das Gehirn ist Branis, der schon als Petersburger Student eingestiegen ist.

Ganz so dogmatisch sieht er es mit den staatlich kontrollierten Konzernen dann doch nicht: Selbstverständlich kaufen sie Papiere hinzu, wenn sie sehen, dass diese völlig unterbewertet sind. Neben der Telekommunikation und dem Einzelhandelssektor hat Prosperity außerdem die russische Strombranche für sich entdeckt: UES soll schließlich zerlegt und weitgehend privatisiert werden.

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