Russische Oligarchen
Deripaska und Potanin schließen Frieden

Die Finanzkrise zwingt zwei zerstrittene Oligarchen zum Frieden: Oleg Deripaska und sein Widersacher Wladimir Potanin haben sich sich am Dienstag geeinigt, den Konflikt um die Kontrolle des weltgrößten Nickelherstellers Norilsk Nickel zu begraben. Beide erklärten in Moskau gemeinsam, den Aufsichtsrat von Norilsk künftig paritätisch zu besetzen.

MOSKAU. Sie hätten dann jeweils vier Sitze. Der russische Staat wird zum Zünglein an der Waage: Die Regierung erhält eine Stimme. Die Milliardäre in Finanznöten beteuerten, der Staat wolle nicht die Kontrolle übernehmen. Potanin räumte aber ein, die Regierung sei "irritiert" über die Streit gewesen.

Die Milliardäre in Finanznöten beteuerten, der Staat wolle nicht die Kontrolle übernehmen. Potanin räumte aber ein, die Regierung sei „irritiert“ über den Streit gewesen. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass ein Repräsentant der Regierung den Aufsichtsratsvorsitz übernehme. Derzeit hat Potanin den Posten inne.

Der Streit um den Metall- und Bergbaukonzern hat diesen seit mehr als einem halben Jahr gelähmt und unter anderem zu einem Austausch des Top-Managements geführt. Deripaska hatte 25 Prozent an Norilsk gekauft mit dem Ziel, diesen mit seinem Alukonzern Rusal zu verschmelzen. Potanin als zweiter Großaktionär wiederum versuchte diese Pläne zu vereiteln und Norilsk mit dem Metallkonzern Metalloinvest zusammenzubringen.

Nun sicherte Deripaska zu, für die kommenden drei Jahren die Fusionspläne mit Rusal auf Eis zu legen. Gegen eine Kooperation mit Metalloinvest, die dem Unternehmer Alischer Usmanow gehört, habe er zudem nichts einzuwenden, erklärte er am Dienstag weiter.

Mit dem rapiden Verfall russischer Aktien seit dem Sommer ist auch der Wert von Deripaskas und Potanins Investitionen sowie ihr Vermögen dahin geschmolzen. Vor allem der Rusal-Eigentümer, den das Magazin Forbes in diesem Jahr noch zum reichsten Russen gekürt hatte, kam in Schwierigkeiten, weil er die rasante Expansion seines Firmenimperiums vor allem über Kredite finanziert hatte, die er nicht mehr bedienen konnte. Um seinen Anteil an Norilsk halten zu können, musste Deripaska Staatshilfen in Anspruch nehmen. Dies dürfte nach Ansicht von Experten nun den Anstoß für die Einigung gegeben haben.

Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew hatte sich in der Vergangenheit zwar wiederholt gegen eine zu starke Rolle des Staates in der Wirtschaft ausgesprochen. Die Idee einer staatlich kontrollierten Konsolidierung von Russlands lukrativer Metallindustrie hat dem Vernehmen nach jedoch immer großen Anklang beim starken Mann des Landes, dem jetzigen Regierungschef Wladmir Putin, gefunden. Der hatte während seiner letzen Amtzeit als Präsident eine Reihe von Staatsholdings gegründet, aus denen in Zukunft Weltmarktführer hervorgehen sollen. Bei Norilsk hat die Regierung nun schon einmal vorgebaut.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%