Russischer Milliardär
Deripaska bei Strabag vor dem Rückzug

Der russische Milliardär Oleg Deripaska steht vor dem endgültigen Rückzug beim deutsch-österreichischen Baukonzern Strabag. Bis zum Monatsende hat Deripaska, eines der prominentesten Opfer der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise, Zeit, seine Schulden zu begleichen.

WIEN. "Die Entscheidung darüber fällt am Freitag", sagte am Montag eine Konzernsprecherin in Wien. Deripaska hält im Moment noch einen Anteil von 25 Prozent an der Strabag. Kann er seine Schulden bis zum Monatsende nicht begleichen, fällt sein Strabag-Anteil der österreichischen Bankgruppe Raiffeisen, dem von ihr beherrschten Wiener Versicherungskonzern Uniqa und Strabag-Konzernchef Hans-Peter Haselsteiner zu.

Oleg Deripaska, der im vergangenen Jahr noch einer der reichsten Männer Russlands war, ist eines der prominenten Opfer der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise. Nach Angaben russischer Medien ist sein Vermögen von einst mehr als 35 Milliarden US-Dollar auf ungefähr fünf Milliarden geschrumpft. Wegen seiner Finanznöte musste er sich bereits im vergangenen Jahr von seinen Beteiligungen am deutschen Baukonzern Hochtief und am österreichisch-kanadischen Automobilzulieferer Magna trennen.

Schon im Herbst hätte er beinahe auch seinen Strabag-Anteil verloren. Raiffeisen und Haselsteiner sprangen jedoch ein und gewährten dem Russen eine Zwischenfinanzierung. In Wien wachsen jedoch die Zweifel, dass Deripaska die Zinsen für diese Zwischenfinanzierung aufbringen kann, und man erwartet, dass er deshalb seinen Anteil jetzt verliert.

Deripaska versucht mit allen Mitteln, die aus seiner Sicht wichtigste Beteiligung zu halten: sein Engagement beim russischen Aluminiumkonzern Rusal. Doch auch dafür bräuchte er ein Schuldenmoratorium der beteiligten Banken. Willigen die Kreditinstitute nicht ein, könnte Deripaska auch Rusal verlieren. Möglicherweise zwingen die Kreditgeber ihn zudem dazu, auf seine Beteiligung an der Strabag in Wien zu verzichten. "Ich hoffe, dass wir Ende Februar oder Anfang März eine Einigung mit den Banken haben werden", sagte Deripaska im russischen Fernsehen.

Als in der vergangenen Woche die ersten Gerüchte über den endgültigen Ausstieg Deripaskas bei der Strabag kursierten, rauschte die Aktie des Wiener Baukonzerns in den Keller und notierte erstmals unterhalb von zehn Euro. Die Strabag ist stark in Osteuropa engagiert, Deripaska galt als möglicher Garant für neue Aufträge aus Russland. Deshalb hatte sich vor allem Konzernchef Haselsteiner immer wieder dafür stark gemacht, dass der Milliardär aus Russland Anteilseigner bei der Strabag bleibt.

Inzwischen scheint es auch ohne Deripaska zu gehen: Die Strabag-Aktie hat sich an der Wiener Börse wieder erholt und notiert deutlich über zehn Euro. Das Bankhaus Sal. Oppenheim rät sogar schon wieder zum Kauf des Strabag-Papiers. "Die Aktie ist im Vergleich zu den wichtigsten Konkurrenten deutlich unterbewertet", glaubt Bau-Spezialist Paul Hoffmann. Der Strabag-Konzern hatte seine Wachstumsaussichten für dieses Jahr bereits kräftig zurückgenommen: Die Bauleistung wird nicht mehr mit gut 20 Prozent wachsen, sondern mit einer einstelligen Rate.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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