RWE: Frauenquote stört politischen Proporz

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Frauenquote stört politischen Proporz

Keine leichte Aufgabe: RWE-Aufsichtsratschef Manfred Schneider leitet bereits ein schwieriges Kontrollgremium - nun gibt es noch eine weitere Baustelle, die er beackern muss: Die Debatte um die Frauenquote.
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DüsseldorfUm seinen Job als Aufsichtsratschef von RWE war Manfred Schneider noch nie so recht zu beneiden. Der 72-Jährige leitet wohl das schwierigste Kontrollgremium Deutschlands: Neben der Kapitalseite ringen auch die Vertreter der kommunalen Aktionäre und zweier Gewerkschaften – der IG BCE und Verdi – um Einfluss. Und jetzt tobt auch noch die Debatte über die Frauenquote.

Bei RWE steht auf der Hauptversammlung am 20. April die Wahl aller Kapitalvertreter an. In und außerhalb des Unternehmens wird aufmerksam beobachtet, wie Schneider mit der Debatte über die Frauenquote umgehen wird. Schließlich ist der Ex-Bayer-Chef einer von Deutschlands mächtigsten Kontrolleuren. So steht er auch noch dem Gremium von Linde vor.

Streit um eine Frau

Und zu allem Überdruss muss Schneider jetzt zusehen, wie um die einzige Frau, die bislang auf der Seite der Kapitalvertreter sitzt, ein Streit entbrannt ist: Dagmar Mühlenfeld (SPD), die Oberbürgermeisterin von Mülheim an der Ruhr.

Sie steht nach Informationen der Regionalzeitung „WAZ“ auch auf der Wahlliste für die nächste Amtszeit, die heute beschlossen werden soll. Dann müsste aber die Stadt Essen, wo der Energiekonzern seinen Sitz hat, wegen des parteipolitischen Proporzes unter den kommunalen Aktionären verzichten. Für Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD) ist das nicht zu akzeptieren: „Essen hat den Anspruch, im Aufsichtsrat von RWE vertreten zu sein“, sagte er dem Handelsblatt. Es sei nicht Aufgabe der kommunalen Anteilseigner, die Frauenquote zu wahren.

Die kommunalen Aktionäre, die rund 25 Prozent der Aktien halten, stellen vier Vertreter, je zwei werden traditionell mit SPD- und CDU-Politikern besetzt. Für den scheidenden Ex-Oberbürgermeister von Dortmund, Gerhard Langemeyer (SPD), soll dessen Nachfolger im Oberbürgermeisteramt, Ullrich Sierau (SPD), nachfolgen. Dortmund ist größter kommunaler Aktionär und pocht auf den Posten. Essen war bislang durch Paß’ Vorgänger Wolfgang Reiniger vertreten. Weil der von der CDU war, passte die Arithmetik.

Jetzt steht die Frauenquote aber gegen Parteiproporz und Standortinteressen. Und Schneider spürt einmal mehr, wie komplex das Machtgefüge im Aufsichtsrat ist.


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