Ryanair-Chef verspottet seine Konkurrenten
O’Learys Kampf gegen „Mächte der Finsternis“

Nichts bringt dem Ryanair-Chef mehr Spaß, als seine Jubelmeldungen mit rhetorischen Seitenhieben auf die Konkurrenten zu garnieren.

WEEZE. Michael O’Leary ist ein begnadeter Selbstdarsteller. Seinen jüngsten Auftritt hatte der Chief Executive Officer der irischen Billigfluglinie Ryanair auf dem Regionalflughafen Weeze. Vom einstigen britischen Militärflughafen in der Tiefe der niederrheinischen Provinz startet Ryanair seit April 2003 zu internationalen Flügen – Ryanairs achter deutscher Regionalflughafen.

„Bis zum Jahresende 2004 werden wir von hier über 300 000 Passagiere geflogen haben – 300 000 Passagiere können sich nicht irren“, sagt O’Leary. In wenigen Tagen werde Ryanair allein in Deutschland die Marke von zehn Millionen Passagieren erreichen „und insgesamt werden wir 2004 knapp unter 28 Millionen Passagiere befördern“, sagt O’Leary, um noch draufzusatteln: „In zwei bis drei Jahren überholen wir die Lufthansa“.

Nichts bringt ihm mehr Spaß, als seine Jubelmeldungen mit rhetorischen Seitenhieben auf die Konkurrenten zu garnieren. „Als wir vor fünfeinhalb Jahren starteten, behauptete Jürgen Weber, damals Chef der Lufthansa, die Deutschen wollen keine Billigpreise beim Fliegen“, spottet der Ire. „Woher sollte er es auch wissen – er hatte sie ja nie angeboten.“ In Weeze landete der Ryanair-Chef mit einer Sondermaschine, über deren gesamte Länge der provokante Spruch in dicken Buchstaben gepinselt steht: „Nein zum Lufthansa Kerosinzuschlag“ – die „Lufthansa“ in roten Groß-Lettern besonders hervorgehoben.

Bei sieben Grad Celsius Außentemperatur springt O’Leary im offenen Hemd und Jeans aus dem Flieger – ein Outfit, das er offensichtlich als typisch für einen dynamischen Manager ansieht. Die Rolle hält er durch. Effektvoller könnte sich auch die Queen nicht zelebrieren. „In gerade fünf Jahren hat sich Ryanair zur Niedrigpreis-Airline Nummer eins in Deutschland gemausert“, sagt O’Leary. Den Erfolg von zehn Millionen Ryanair-Fluggästen will er mit 70 000 Tickets zum Nulltarif feiern. „Eine Dankeschön-Aktion, die diesmal speziell den Passagieren am stark wachsenden Ryanair-Abflughafen Düsseldorf Weeze zu Gute kommt“ – auch diese Werbung mit verdeckter Spitze.

Nie sagt O’Leary „Weeze“, sondern stets „Düsseldorf Weeze“. Gegen die Doppelbezeichnung klagt der Flughafen Düsseldorf, für den Iren der schiere Neidkomplex: „Die mögen keinen Wettbewerb.“ Das wirft er auch seinen deutschen Konkurrenten, organisiert in der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Luftfahrtunternehmen vor: „Die sollen endlich aufhören herumzunörgeln und anfangen, sich dem Wettbewerb zu stellen“. Aber: „Gegen diese Mächte der Finsternis werden wir siegen.“ Zur Konkurrenz von Easyjet befragt, blafft er jedoch: „Wir konkurrieren nicht gegen ,Teuer‘- Fluglinien.“ Mit der britischen Easyjet kämpft O’Leary seit Jahren um die Marktführerschaft in Europa. Ryanair liegt vorne.

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