Sal. Oppenheim
Dieter Pfundt: Verkäufer seines Lebenswerks

Dieter Pfundt muss das Investment-Banking von Sal. Oppenheim an den Mann bringen – und sich nach einem neuen Job umsehen. Sein lange erfolgreiches Baby war letztlich einer der Gründe für die tiefen Probleme, in denen das Traditionshaus momentan steckt.

FRANKFURT/ISTANBUL. Beim Empfang der Deutschen Bank in Istanbul zog Dieter Pfundt am Wochenende lächelnd und scheinbar gut gelaunt seine Bahnen. Lange und entspannt unterhielt er sich im Nobelhotel Four Seasons direkt am Bosporus bei gedämpfter Jazz-Musik und Sushi am Rande des Treffens des Internationalen Währungsfonds IWF mit Deutsche-Bank-Deutschlandchef Jürgen Fitschen. Die beiden begegnen sich derzeit häufiger, kauft die Bank doch gerade die Mehrheit an der einst stolzen Privatbank Sal. Oppenheim.

Pfundt ist einer der vier persönlich haftenden Gesellschafter der Bank. Über mehr als ein Jahrzehnt hat er das Investment-Banking von Sal. Oppenheim aufgebaut, wollte es führend im deutschsprachigen Raum machen. Pfundt zählte im Immobilien-Investment-Banking zu den großen Spielern in Deutschland. Er war maßgeblich dafür verantwortlich, dass chinesische Unternehmen ihre Firmen in Deutschland an die Börse bringen. Pfundt hat Maria-Elisabeth Schaeffler davon überzeugt, nicht benötigte Continental-Aktien treuhänderisch von Sal. Oppenheim verwalten zu lassen – und die Deutsche Bank davon, einen Anteil an der Beteiligung bei der chinesischen Hua Xia Bank an Sal. Oppenheim abzutreten.

Jetzt muss der 56 Jahre alte, stets gut gekleidete Banker mit der weißen Blesse im grauen Haar sein Baby getrennt vom Rest der Bank verkaufen, denn die Deutsche Bank ist nur an der Vermögensverwaltung der Privatbank interessiert. Ganz nebenbei dürfte der Banker, den ehemalige Kollegen als „smarten Typen“ bezeichnen, der es verstehe mit Menschen umzugehen, durchaus auch seinen eigenen künftigen Arbeitsplatz im Auge haben – denn bei Sal. Oppenheim unter der Deutschen Bank wird Pfundt keine Zukunft eingeräumt.

Pfundts lange erfolgreiches Investment-Banking war letztlich einer der Gründe für die tiefen Probleme, in denen Sal. Oppenheim derzeit steckt. Er hatte vor 20 Jahren das Optionsscheingeschäft für die Citigroup in Deutschland salonfähig gemacht. Entsprechend drehte Sal. Oppenheim unter Pfundt im Zertifikategeschäft ein großes Rad, gehörte zu den führenden Banken in diesem Segment. Völlig überdimensioniert für eine Bank vom Zuschnitt Sal. Oppenheims, sagen Konkurrenten. Noch im vergangenen Jahr expandierte die Sparte – und brachte der Bank am Jahresende einen Verlust im dreistelligen Millionenbereich ein.

Verantwortlich für die Zertifikatesparte war bis Sommer 2008 Pfundt-Protegé Siegfried Piel, der schon bei der Citigroup unter ihm gearbeitet hatte und als Vorsitzender des Branchenverbandes Derivate Forum dem Segment ein Gesicht verlieh. Piel war es, der nach übereinstimmenden Informationen aus Bank- und Branchenkreisen den Bogen im Zertifikategeschäft überspannte. Im August 2008 musste Piel die Bank schließlich wegen „unterschiedlicher Geschäftsauffassungen“ verlassen. Auch für Pfundt eine Niederlage, die gleichzeitig eine seiner Schwächen zeigt: Auf Mitarbeiter, denen er vertraut, verlasse er sich ohne Wenn und Aber, sagen Bekannte über ihn. Und das Wühlen in Einzelheiten ist auch nicht seine Sache. So hatten auch die Händler unter ihm große Freiheiten.

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