Sanierer Geiwitz
Schlecker als größter Fall und größte Niederlage

Das Aus für Schlecker ist bitter - auch für den Insolvenzverwalter Geiwitz. Er konnte die Gläubiger nicht für eine Lösung gewinnen, die Tausende Jobs erhalten hätte. Sein größter Fall und seine größte Niederlage.
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EhingenDie Schlecker-Insolvenz hat ihn über Nacht zum Hoffnungsträger für tausende Menschen gemacht. Der Unternehmenssanierer Arndt Geiwitz mühte sich seit Ende Januar, die abgewirtschaftete Drogeriekette Schlecker vor dem Untergang zu bewahren. Nun nach dem endgültigen Aus ist Schlecker für Geiwitz nicht nur sein größter Fall, sondern auch seine größte Niederlage.

Übernommen hatte sich der Insolvenzfachmann keinesfalls. Seine Kanzlei Schneider, Geiwitz & Partner mit Zentrale in Neu-Ulm und elf Filialen hat einen klingenden Namen in Insolvenzverwalterkreisen. „Alt eingesessen und einer Größenordnung wie Schlecker gewachsen“, sagt ein Branchenkenner über die Experten aus Süddeutschland, die kürzlich auch in anderer Sache von sich reden machten. Geiwitz' Kollege Werner Schneider ist Verwalter des Druckmaschinenherstellers Manroland mit seinen einst 6500 Jobs. Der Wirtschaftsprüfer rettete früher etwa bei der Augsburger Walter Bau zwei Drittel der Stellen.

Auch Geiwitz selber leitete schon umfassende Sanierungen wie die der Kögel-Fahrzeugwerke oder der Budget Autovermietung. Doch bei seinem Schlecker-Fall stehen nun mehr als 13 000 Mitarbeiter in Deutschland vor dem Aus.

Die Möglichkeit einer Abwicklung hatte sich früh angedeutet. Schon einen Monat nach Beginn seiner Arbeit für die Drogeriekette musste Geiwitz der Öffentlichkeit eine ganz bittere Pille verkaufen. „Die Situation ist so dramatisch, dass das Unternehmen nicht nachhaltig am Markt bestehen kann“, sagte er. Es stehe ein „herber, schmerzhafter Schnitt“ an.

Geiwitz' Aufgabe lag in einem Spannungsfeld zwischen zwei Polen: Auf der einen Seite standen die Gläubiger mit ihren Forderungen, auf der anderen aber tausende Mitarbeiter-Schicksale. Der Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) erklärt, dass die Einigung mit den Gläubigern das Zentrum eines guten Insolvenzplans sei. Bei allem Willen zum Erhalt der Jobs gelte das Prinzip, dass die Gläubiger selbst im schlechtesten Fall einer Unternehmensfortführung nicht mehr Geld verlieren dürften als mit einer Liquidation.

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  • @Beamtenschlafstadt_MG,
    Sie haben zwar Recht, aber bedenken Sie bitte, wer derzeit das Ministerium der Justiz leitet? Derartige Vorschläge liegen bereits als Entwürfe vor. Ebenfalls eine Reorganisation des DPMA in München, um weitere Korruption vorzubeugen. Was hat die Ministerin bisher geschafft? Diese Person ist das Schandfleck der Regierung.

  • Der Unternehmenssanierer Arndt Geiwitz mühte sich seit Ende Januar, die abgewirtschaftete Drogeriekette Schlecker vor dem Untergang zu bewahren? Erst hat er sehr grosse Erwartungen geweckt. Dann potente Investoren vergrault.
    Herr Geiwitz's Aufgabe lag in einem Spannungsfeld zwischen zwei Polen: "auf der einen Seite standen die Gläubiger mit ihren Forderungen, auf der anderen aber tausende Mitarbeiter-Schicksale". Wahr ist aber, dass er mit dieser Aufgabe total überfordert war. Kann mir jetzt jemand sagen, wieviel Geld dieser angebliche Sanierer erhält? Herr Geititz ist ein Abzocker und sollte sein Honorar ebenfalls in die Konkursmasse einfliessen lassen. Für welche Aufgabe sollte er überhapt ein Honorar bekommen?

  • Sie reden völlig am Thema vorbei. Hier geht es um Insolvenzverwaltung in Deutschland an sich. Und die ist hanebüchen. An und für sich werden doch Insolvenzverfahren durchgeführt um Gläubiger zu befriedigen. Ist Ihnen schonmal aufgefallen, dass es ein Mißverhältnis zwischen den Ausschüttungen an die Gläubiger und dem Honorar des Verwalters gibt? Die Relation ist absolut reziprok. Die InsVV ist eine Lizenz zum Gelddrucken - ein absolut perverses System. Übertragen Sie das mal in irgendeinen anderen Teil unserer Wirtschaft. Unvorstellbar, dass Nicht-Leistung überdurchschnittlich honoriert wird. Stellen Sie sich einmal vor ein Verkäufer bekommt umso mehr Tantiemen je weniger Umsatz er erwirtschaftet. Die InsVV setzt hier völlig falsche Anreize und muss dringend reformiert werden. Würde man das Honorar des Insolvenzverwalters an den Erfolg seiner Bemühungen koppeln, was glauben Sie wieviele Investoren plötzlich auch für angeblich hoffnungslose Fälle gefunden werden. Auch im Falle der Abwicklung sollten die Gläubigerinteressen ein viel größeres Gewicht bekommen. Das Honorar sollte sich in Relation zur Höhe der Ausschüttungen befinden und nicht die Insolvenzmasse schmälern, wie das regelmäßig der Fall ist. Es wird Zeit, dass sich endlich mal das Justizministerium mit dieser skandalösen Abschöpfpraxis auseinandersetzt und praktikable Reformvorschläge erarbeitet.

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