Sanierer
Herbert Allison: Feuerwehrmann für Finanzen

Herbert "Herb" Allison ist ein eisenharter Sanierer: Mit seiner kompromisslosen Einstellung hat der Vietnam- und Wallstreet-Veteran schon viele Widrigkeiten aus dem Weg geräumt. Nun soll der Fannie-Mae-Chef den US-Bankenrettungsfonds Tarp lenken. Doch dafür muss er beim Kongress erst einmal neues Geld lockermachen.

NEW YORK. Immer wenn es brenzlig wird, macht er den Feuerwehrmann für Finanzfragen: Herbert "Herb" Allison. Erst als Chef des teilverstaatlichten Immobilienfinanzierers Fannie Mae, jetzt als Chef des Troubled Assets Relief Programm - kurz Tarp. Damit wird Allison oberster Bankenretter und Herr über den ursprünglich rund 700 Mrd. schweren US-Bankenrettungsfonds. Kein einfacher Job: Das Geld ist fast aufgebraucht und das Gerangel um die Reste wird härter. 19 Banken werden derzeit einem Stresstest unterzogen, um heraus zu finden, wie viel Geld sie noch brauchen, um die Krise bewältigen zu können. Dafür wird der neue Tarp-Chef frisches Geld beim Kongress lockermachen müssen. Außerdem soll er den Geithner-Plan umsetzen, eine Art Public-Private-Partnership, bei der Regierung und Privatinvestoren den Banken ihre toxischen Wertpapiere abkaufen. Das geschätzte Volumen: rund 1000 Mrd. Dollar.

Mit Allisons Ernennung löst US-Präsident Barack Obama zwar das Problem des Tarp, lässt damit aber auch den angeschlagenen Immobilienfinanzierer Fannie Mae führungslos zurück.

Den Vietnam- und Wallstreet-Veteran Herb Allison dürften die neuen Herausforderungen nicht schrecken. Himmelfahrtskommandos müsste der Ex-Navy-Offizier und Sohn eines FBI-Agenten gewöhnt sein. Zudem ist Allison bekannt dafür, hart durchzugreifen, Job-Streichkonzerte pflastern seine Karriere. Nicht umsonst verpassten Kritiker ihm schon vor Jahren den Spitznamen "Herbicides" - und meinten damit nicht etwa Unkrautvernichtung sondern seine kompromisslose Art, alles aus dem Weg zu räumen, was sich seiner Vorstellung von Effizienz entgegenstellte.

Der Ruf des eisenharten Sanierer kostete ihn den Aufstieg zum Chef der Investmentbank Merrill Lynch, die er daraufhin nach fast 30 Jahren verließ. Nach einer kurzen Stippvisite in der Politik, wo er als Finanzvorstand die Präsidentschaftskandidatur des Republikaners John McCain unterstützte, besann er sich auf das, was er wohl am besten kann: sanieren. Er wurde Chef des größten US-Pensionsfonds für Universitäten und gemeinnützige Gesellschaften "TIAA-Cref", entstaubte das bürokratische Unternehmen, richtete es auf mehr Service aus - und strich jeden achten Job.

Danach wollte sich der inzwischen 65-Jährige zur Ruhe setzen, ein Buch schreiben und seinen Urlaub in der Karibik genießen. Doch ein Telefonanruf im Herbst machte seinen Plänen für das Pensionärsleben ein Ende: Der damalige Finanzminister Henry Paulson wollte ihn als Finanz-Feuerwehrmann bei Fannie Mae. Allison sagte sofort zu. Ein "Nein" sei für ihn damals keine Option gewesen, gab er später zu Protokoll.

Seitdem räumt er bei der einst größten US-Hypothekenbank auf, im "Dienste der Allgemeinheit", wie er seinen Job jüngst bezeichnete. Auf Gehalt oder gar Boni verzichtet der Mann mit dem militärisch kurz geschorenen grauen Schläfen komplett.

Das dürfte sich jetzt ändern, als Staatsdiener wird er zumindest bezahlt.

Herb Allison

1943: Herbert "Herb" Allison wird in Pittsburgh/Pennsylvania geboren.

1965: Studienabschluss in Philosophie an der Yale University, danach vier Jahre Offizier bei der Navy, unter anderem in Vietnam.

1971: MBA in Stanford, danach Berufsstart bei Merrill Lynch in New York mit Stationen in London, Paris und dem Nahen Osten, Aufstieg bis zum COO.

2000: Nachdem Allison den Kampf um den Chefposten bei Merrill verlor, leitet er als Finanzvorstand die Präsidentschaftskampagne des Republikaners John McCain.

2002: Chef des Pensionsfonds TIAA-Cref.

2008: Berufung zum Chef von Fannie Mae.

2009: Ernennung zum Chef des Tarp.

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