Sanierung durch Axel Dahm
Berentzen setzt auf die Urkraft der Natur

Vor ungefähr einem Jahr übernahm Axel Dahm den traditionsreichen Spirituosenkonzern Berentzen. Seither wird bei dem niedersächsischen Konzern an vielen Baustellen gearbeitet, die das vorherige Management hinterließ – und das 250 Jahre alte Unternehmen in die roten Zahlen brachte.

DÜSSELDORF. „Dies ist kein Projekt, das man kurzfristig umdrehen kann“, kommentierte Berentzen-Chef Axel Dahm am Dienstag das negative Geschäftsergebnis des traditionsreichen Spirituosenherstellers aus dem niedersächsischen Haselünne. Denn der Getränkekonzern beschließt das Geschäftsjahr 2007 voraussichtlich mit einem Fehlbetrag von neun Millionen Euro, während der Umsatz um sechs Millionen auf 185,8 Millionen Euro stieg.

Mit dieser wirtschaftlichen Entwicklung hatte der 45-jährige Konzernchef, der seit knapp einem Jahr beim 250 Jahre alten Familienunternehmen das Sagen hat, schon gerechnet. Bereits kurz nach seinem Amtsantritt kündigte er an, dass Berentzen die Gewinnschwelle erst im Jahr 2009 erreichen werde. Denn noch engen die „Altlasten“ aus den früheren Jahren den Bewegungsspielraum des neuen Managements ein. Der Umsatzzuwachs im vergangenen Jahr ist demnach vor allem auf das gute Geschäft mit margenschwachen Handelsmarken zurückzuführen. Nach Dahms Plänen sollen aber künftig die beiden profitablen A-Marken des Konzerns, Berentzen und Puschkin, für schwarze Zahlen sorgen.

Dahm kann bei der Marke Berentzen offenbar erste Erfolge verbuchen. Denn er verkaufte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr schon zehn Prozent mehr von den fruchtigen Kornbränden. Er setzt auch auf zahlreiche Aktionen, die in diesem Jahr das 250-jährige Bestehen der Marke Berentzen begleiten sollen. Und er versucht, mit TV-Spots die Wodkamarke Puschkin („Erlebe die Urkraft der Natur“) wieder zu beleben.

Trotzdem rechnet der Konzernchef, der schon von 1993 bis 1997 als Geschäftsführer bei Berentzen arbeitete, für das laufende Jahr mit einem leicht negativen Gesamtergebnis.

Deshalb muss Dahm aber nicht um seinen Job fürchten. Die Eigentümer haben offensichtlich die mittelfristige Strategie des Berentzen-Chefs abgesegnet. „Das Vertrauen in Dahm ist ungebrochen“, sagt zumindest ein Branchenfachmann, der dem Unternehmen nahesteht.

Mit Dahms Vorgänger, Jan B. Berentzen, hatten die zeitweise untereinander zerstrittenen Eigentümergruppen die Geduld verloren. Das alte Management setzte wenig erfolgreich auf exotische Fruchtmischungen und verzettelte sich offenbar auch durch neuartige Aktivitäten zu sehr und baute zum Beispiel den Vertrieb für die australische Weinmarke „Yellow Tail“ auf. So kam Berentzen operativ immer stärker in die Verlustzone.

Der Familienunternehmer vergrätzte die Mehrheit der Eigentümer, darunter die Düsseldorfer Pabst-Richarz-Gruppe, schließlich derart, dass er nach seinem Ausscheiden noch nicht einmal mehr einen Sitz im Aufsichtsrat erhielt.

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