Sanierungsplan
Rettung für Anwaltsdiscounter Juraxx

Seit einigen Jahren sorgt die Dortmunder Großkanzlei Juraxx für Furore: Sie lockt Laufkundschaft in lukrativen Innenstadtlagen mit günstigen Einstiegsangeboten für die rechtliche Beratung und Vertretung. In der derzeitigen Form wird es die Kanzlei aber nicht mehr geben, sie geht als erste überörtliche Sozietät in die Insolvenz. Doch ein Sanierungsplan steht bereits.

GARMISCH. Für die in Schieflage geratene Dortmunder Großkanzlei Juraxx Eugen Boss Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, zu deren Verbund bis zu 140 Anwälte in 34 Niederlassungen gehörten, hat das Amtsgericht Dortmund Rechtsanwalt Christoph Schulte-Kaubrügger zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt (Az.: 257 IN 67/07).

Derzeit sieht es so aus, als würde Juraxx die Rolle des "first mover" nicht nur bei der Discount-Rechtsberatung besetzen, sondern auch als erste überörtliche Sozietät in die Insolvenz gehen. Zumindest bis zur etwaigen Eröffnung des Insolvenzverfahrens darf Kanzleigründer Boss die Geschäfte in der Dortmunder Zentrale allerdings weiterführen. Das ist bemerkenswert, da die Staatsanwaltschaft Dortmund wegen Betruges und Insolvenzverschleppung gegen ihn und andere Manager ermittelt.

"Juraxx wird es in der derzeitigen Form sicher nicht mehr geben. Aber die Kanzlei plant, künftig in veränderter Form auf dem Markt zu agieren", sagte Schulte-Kaubrügger dem Handelsblatt. Er ist derzeit damit beschäftigt, in den einzelnen Filialen eine genaue Bestandsaufnahme vorzunehmen, um dann die "bestmögliche Gläubigerlösung" zu finden. Und die Mandanten? Zirka 28 000 laufende Mandate zählt die Sozietät derzeit. Deren geordnete Abarbeitung sieht der Insolvenzverwalter aber nicht in Gefahr. "Die Mandanten müssen keine Probleme befürchten. Sie behalten ihren Anwalt - nur eben gegebenenfalls nicht mehr im Juraxx-Verbund", beruhigt Schulte-Kaubrügge.

"Geht eine Kanzlei in die Insolvenz, steht der Mandant nie allein im Regen. In derartigen Fällen bestellt die zuständige Rechtsanwaltskammer einen Abwickler, der ebenfalls Anwalt ist und die Kontinuität der Mandatsarbeit garantiert", betont auch Rechtsanwalt Christian Dahns, Geschäftsführer bei der Bundesrechtsanwaltskammer in Berlin. Allerdings könnten Mandanten den Anwaltsvertrag jederzeit ohne Angabe von Gründen kündigen. Wirtschaftlich sei das aber nicht immer sinnvoll, weil die Anwaltsdienstleistung dann womöglich zwei Mal gezahlt werden müsste.

Wie jetzt bekannt wurde, hatte Kanzleigründer Boss auf Druck der Banken einige Wochen vor dem Gang zum Insolvenzgericht einen Sanierungsplan in Auftrag gegeben, den Rechtsanwalt Thorsten Prigge aus der Düsseldorfer Kanzlei Aderhold v.Dalwigk Knüppel ausgearbeitet hat. Diesen Plan will auch der vorläufige Insolvenzverwalter umsetzen. Unter anderem ist danach eine übertragende Sanierung auf einen neuen Rechtsträger angestrebt. Dieser könnte dann als Franchisegeber und Marketingplattform für ein neues bundesweites Kanzleinetzwerk fungieren.

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