Sanio-Chefin Tomoyo Nonaka
Öko-Chefin stolpert über Bilanzskandal

Sie hat geschafft, was nur wenigen Frauen in Japan gelingt: an die Spitze eines großen Konzerns aufzusteigen und zweimal einen Rang in der Liste der wichtigsten Managerinnen des Magazins „Fortune“ zu erklimmen – und das als Seiteneinsteigerin. Nun tritt die ehemalige Fernsehmoderatorin Tomoyo Nonaka als Vorstandsvorsitzende von Sanyo ab.

TOKIO. Am Montag endete die Erfolgsstory von Tomoyo Nonaka abrupt. Die Vorstandschefin des japanischen Elektronikkonzerns Sanyo trat zurück. Das Unternehmen gab „persönliche Gründe“ an. Es gilt jedoch als wahrscheinlich, dass ihr Rücktritt mit dem Bilanzskandal beim weltgrößten Hersteller von wiederaufladbaren Batterien zusammenhängt. Ob Nonaka aus Protest gegen die Praktiken ihrer Vorstandskollegen oder über die Methoden der Aufklärung abtrat oder ob sie selbst daran beteiligt war, blieb unklar.

Analysten zweifeln außerdem schon lange, ob Nonaka für die Sanierung des angeschlagenen Elektronikkonzerns die richtigen Fähigkeiten mitbrachte. Sie ist eine Quereinsteigerin. Die heute 52-Jährige mit einem Abschluss in Journalismus der Sophia-Universität in Tokio arbeitete bis Ende der 90er-Jahre als Moderatorin und Nachrichtensprecherin beim japanischen Fernsehen. Danach wirkte sie in Beratungsgremien der Regierung und in Aufsichtsräten von Konzernen, u.a. bei Sanyo. Im Juni 2005 stieg sie überraschend zur Vorstandschefin von Sanyo auf.

Ihr Job war klar: Sie sollte das Unternehmen sanieren. Denn Sanyo war im Wettbewerb mit den immer stärkeren chinesischen Konkurrenten in die roten Zahlen gerutscht. Sie gab dem Konzern einen grünen Anstrich. Unter ihrer Führung warb Sanyo mit dem Slogan „Think Gaia“ – was so viel heißt wie: Denke ökologisch. Die Ingenieure entwickelten Produkte wie eine langlebige wiederaufladbare Batterie und eine Wasser sparende Waschmaschine. Im Jahr 2005 stieg Nonaka auf Platz fünf der Fortune-Rangliste der Top-Managerinnen auf. Aber Sanyo ging es nicht besser. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März ist der dritte hohe Verlust in Folge angekündigt.

Ende Februar wurden Ermittlungen der japanischen Wertpapierkommission wegen Verstößen gegen das Bilanzgesetz bekannt: In den Jahren 2000 bis 2004 soll Sanyo Fehlbeträge regelwidrig in Tochtergesellschaften geparkt haben. Das Unternehmen sagte sofort zu, mit den Ermittlern zu kooperieren, und deutete an, freiwillig korrigierte Bilanzen vorzulegen. Es sei gut, wenn jemand Nonakas Posten übernehme, der etwas vom Geschäft verstehe, sagte gestern ein Analyst. Sanyo hat noch keinen Nachfolger benannt.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%