Pilot eines iranischen A321

Im Dezember 2016 hatte Iran hundert Airbus-Flugzeuge zum Listenpreis von 19 Milliarden Euro bestellt.

(Foto: AFP)

Sanktionen US-Regierung widerruft Exportlizenzen – Airbus hat ein Iran-Problem

Die USA drängen nicht-amerikanische Unternehmen zum Ende von Geschäftsbeziehungen mit Iran. Ein Großauftrag von Airbus könnte gefährdet sein.
Update: 09.05.2018 - 11:13 Uhr 19 Kommentare

DüsseldorfDie USA setzen deutsche Unternehmen unter Druck, Geschäfte mit Iran einzustellen. Der neue US-Botschafter in Deutschland rief die Firmen bereits am Dienstagabend per Twitter dazu auf, unverzüglich Geschäfte mit dem Iran zurückzufahren. John Bolton, Sicherheitsberater des US-Präsidenten, hatte gesagt, dass für neue Geschäfte die Sanktionen ab sofort gelten.

Für bestehende Vertragsbeziehungen gilt eine Übergangsfrist von 90 oder 180 Tagen. Die detaillierte Umsetzung hat das US-Finanzministerium veröffentlicht. Sanktionen gelten zwar eigentlich nur bilateral zwischen USA und Iran, doch strahlen sie auch auf europäische Unternehmen ab. In der Vergangenheit hatte die Commerzbank beispielsweise eine Milliardenstrafe zahlen müssen wegen Verstößen gegen die früher geltenden US-Sanktionen gegen Iran.

Akut ist vor allem ein großes Geschäft von Airbus mit Iran gefährdet. Denn die für Flugzeugteile benötigten Exportlizenzen der USA für einen Airbus-Großauftrag würden widerrufen, kündigte US-Finanzminister Steven Mnuchin an. Airbus teilte mit, dass man die Auswirkungen der US-Entscheidung „mit aller Vorsicht analysieren“ werde. Das könne einige Zeit dauern.

Für die Flugzeugbauer Airbus und Boeing wird die Entscheidung von Trump teuer. Denn mit den neuen Sanktionen dürften Milliardenverträge platzen. Die iranischen Fluggesellschaften haben massiven Modernisierungsbedarf. Durch die Sanktionen konnten jahrelang keine neuen Flugzeuge der westlichen Hersteller gekauft werden. 

Entsprechend groß fielen die Investitionen zuletzt aus: Im Dezember 2016 schloss die europäische Airbus-Gruppe mit der nationalen Fluggesellschaft Iran Air einen Vertrag über 100 Flugzeuge mit einem Listenpreis von rund 16 Milliarden Euro.

Das US-Unternehmen Boeing zog nach, verständigte sich mit Iran Air auf die Lieferung von 80 Flugzeugen für einen Listenpreis von rund 17 Milliarden Dollar (14 Milliarden Euro). Auch mit der iranischen Fluggesellschaft Aseman Airlines schloss Boeing noch einen Deal über 30 Flugzeuge. Die Lieferungen sollten eigentlich schon 2017 beginnen und bis 2025 laufen.

Daraus wird nun vermutlich nichts: Airbus benötigt US-Exportlizenzen für Geschäfte mit Iran, da mehr als zehn Prozent der Teile von US-Firmen wie United Technologies, Rockwell Collins oder General Electric stammen. Airbus hat bereits angekündigt, sich vollständig an die Sanktionen zu halten.

Profitieren könnte ein russischer Flugzeughersteller. Iranische Fluggesellschaften hatten bereits vor einigen Wochen eine Übereinkunft für die Lieferung von 20 Sukhoi Superjets unterzeichnet.

Siemens ist noch nicht akut betroffen, doch erst im vergangenen Jahr hatte der Dax-Konzern einen Sonderertrag von 130 Millionen Euro verbucht, weil Aufträge im Iran nach dem Ende der Sanktionen wieder auflebten. „Wir werden Dinge, die wir begonnen haben, im rechtlichen Rahmen auch zum Ende bringen“, sagte Finanzvorstand Ralf Thomas.

Der Industrieriese werde sich selbstverständlich an alle Export-Vorschriften halten, betonte Thomas mit Blick auf drohende neue Sanktionen. Vor fünf Jahren hätte diese Entscheidung der US-Regiering auf jeden Fall das weltweite Investitionsklima eingetrübt, heute sei er sich da nicht so sicher.

BDI und DIHK reagieren enttäuscht

Die deutsche Wirtschaft äußerte sich entsprechend schockiert auf den angekündigten Ausstieg aus dem Atomabkommen. BDI-Präsident Dieter Kempf sagte unmittelbar nach Trumps Ankündigung: „Die deutsche Industrie bedauert den Rückzug der USA aus dem so mühselig und langwierig verhandelten Atomabkommen zutiefst.“ Für die hiesigen Unternehmen sei essenziell, dass die EU jetzt versuche, mit China und Russland gemeinsam ein deutliches Bekenntnis zum Atomabkommen abzugeben.

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Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnte, dass der Aufschwung im deutschen Iran-Geschäft der vergangenen Jahre abrupt abgebremst werden. „Das zarte Pflänzchen, das sich da zuletzt entwickelt hat, könnte dadurch wieder zertreten werden“, erklärte der Außenwirtschaftschef des DIHK Volker Treier. „Der Schaden würde über das Bilaterale hinausgehen.“ Außenhandelspräsident Holger Bingmann reagierte enttäuscht: „Deutsche Unternehmen, aber auch die der anderen Vertragspartner werden dadurch natürlich noch stärker verunsichert.“

Der Maschinenbauerverband VDMA sieht nun die iranische Führung in Teheran am Zuge. Die müsse entscheiden, ob sie am Atomabkommen auch ohne die USA festhalten wolle. VDMA-Geschäftsführer Thilo Brodtmann sagte, so lange die EU ihre Sanktionen nicht wieder aktivierte, sei ein legales Iran-Geschäft für die deutsche Wirtschaft grundsätzlich weiterhin möglich. Er verwies darauf, dass die deutschen Maschinenexporte in den Iran im vergangenen Jahr um gut 21 Prozent auf 901 Millionen Euro gewachsen seien. Die weitere Entwicklung sei nun aber kaum mehr vorherzusagen.

Exporte nach Iran zuletzt deutlich gewachsen

Die deutschen Warenexporte in den Iran insgesamt waren im vergangenen Jahr um rund 400 Millionen Euro auf knapp drei Milliarden Euro gewachsen. Seit der Lockerung der Sanktionen Anfang 2016 wuchs der deutsch-iranische Handel um rund 42 Prozent. Allerdings lieferte die deutsche Wirtschaft noch Mitte des vergangenen Jahrzehnts Waren für rund fünf Milliarden Euro in den Iran.

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19 Kommentare zu "Sanktionen: US-Regierung widerruft Exportlizenzen – Airbus hat ein Iran-Problem"

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  • @Herr Hans Klahrin: wann hat sich der mit der größten Armee der Welt jemals an Verträge gehalten? Die USA noch nie, höchsten wenn sie gut dran verdienen. So wie jetzt das Abkommen mit dem Iran würde auch ein Handelsabkommen laufen. So lange es den USA nützt, hält man sich dran-wenn nicht interessiert es nicht weiter. Niemand mit dem man Verträge schließen sollte.

  • Schön für Putin, jetzt kann auch er Flugzeuge verkaufen und die Ölpreise steigen auch. Übrigens auch für die amerikanischen Fracking-Unternehmen, die jetzt richtig Geld verdienen. Trump sorgt gut für die seinen. Und die Deutschen bezahlen den Spaß. Und dann sorgen noch die Polen dafür, dass wir von amerikanischem Öl und Gas noch mehr abhängig werden indem sie Nordstream 2 verrecken lassen. Und die Bundesregierung spielt auch da mit. Hatte die Kanzlerin den Amtseid geschworen, Schaden vom US-amerikanischen Volk abzuwenden und seinen Nutzen zu mehren?

  • Wenn es um Geld geht, wird alles andere – im Zweifelsfall auch der Weltfrieden – zur Nebensache.


  • Was geht uns Airbus an?

    Die haben ihren Firmensitz heimlich, still und leise in die Niederlande verlegt, um die hohen, deutschen Unternehmenssteuern zu umgehen.

  • Der Fachmann staunt und der Laie wundert sich.
    Da canceln die USA einen internationalen Vertrag ohne einen Vertragsverstoß seitens des Iran. Im Gegenteil...alle Instanzen bestätigen, dass die Regeln eingehalten werden.
    Dann setzt Trump alle ursprünglichen Sanktionen wieder ein. Von mir aus soll er das ja auch für US Unternehmen tun. Aber dann die eigene Machtpolitische Stellung zu nutzen und wieder zu sagen, dass jedes Unternehmen weltweit sich dann entscheiden muss, ob es mit den USA Geschäfte macht oder Iran. Das stellt die ganzen internationalen Regeln auf den Kopf. Kann nicht ein Unternehmen wie Airbus aufgrund des Regelbruchs der USA ohne rechtliche Grundlage den Amerikanischen Staat auf Schadenersatz verklagen? Ist doch unklar, dass man Regeln brechen kann und nichts befürchten muss.

  • Da müssten eigentlich sofort nach anlaufen der Sanktionen Schadensersatzansprüche gegenüber den USA geltend gemacht werden.

  • @ H. Nold,

    absolut richtig. Diese Miesere haben wir nicht erst seit Mr. Trump.

    Nur, jahrzehntelang wollte kein deutscher oder europäischer Politiker dieses sehen.

    Natürlich müssen unsere Kontakte nach Russland und Asien ausgebaut werden
    .
    Den letzten Krieg auf amerik. Boden war der amerik. Bürgerkrieg.
    Alle anderen Kriege, die die USA zu verantworten haben, fanden im asiatischen, afrikanischen oder europäischen Boden statt.

    Alle weltpolitischen Wirtschaftskrisen kamen aus Amerika!

    Amerika at first hatte schon i m m e r Gültigkeit; und zwar seit bestehen der USA:

    Wer nicht dumm war, hat es schon immer erkannt.
    the stupid german

  • @Stefan Nold:
    Da kann man nur jedem Satz beipflichten.
    Es wäre nur alles einfacher (und die USA würde es vielleicht ernster nehmen), wenn die EU geschlossen aufträte. Aber derzeit sieht es eher nach Zerfall aus (Brexit, polnische und ungarische Sonderwege, Italien im Dauer-Chaos ohne Regierung etc.). Mit Kleinstaaterei wird aber weder China, noch Russland oder den USA beizukommen sein.

  • Die wichtigste Voraussetzung für ein Geschäft ist Zuverlässigkeit. Das wusste sogar die Sowjetunion. Egal wie kalt der Krieg damals war, an Vereinbarungen haben sie sich immer gehalten. Was sind die USA? Eine gewaltige Kriegsmaschine, die von China bezahlt wird. Ein Land mit großen Problemen wie Heroinsucht, Kriminalität und einer erodienden Mittelschicht. Wir sollten uns langsam aber sicher von den USA lösen und uns in Übersee anderen Ländern zuwenden, besonders in Asien. Das hat nichts mit Ideologie zu tun sondern mit einer nüchternen Einschätzung der Zukunftsaussichten. Ohne großes Trara. Wir sollten auf die Forderungen der USA nach einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben nicht eingehen. Wir sollten die Abhängigkeit von amerikanischen Produkten kontinuierlich reduzieren. Man fängt damit an, Linux statt Microsoft einzusetzen. Bei Airbus kann man so schnell die US-amerikanischen Teile nicht ersetzen, die Genehmigungen dauern lange, aber eines ist klar: Für jeden Player der sich selbst aus dem Spiel nimmt, stehen 3 andere in den Startlöchern und deswegen wird es, wenn wir das wollen, in absehbarer Zeit auch Airbus-Maschinen ohne die erforderlichen amerikanischen Exportlizenzen geben. Im Grunde ist jedes US-amerikanische Produkt ist ein Risikoprodukt, das aufgrund von irgendwelchen Sanktionen von heute auf morgen nicht mehr verfügbar sein kann. Die Beschaffungspolitik müsste so aussehen, dass für jedes US-Produkt eine Second Source außerhalb der USA gesucht wird. Welchen irrsinnigen Schaden Trump langfristig für die US-Wirtschaft anrichtet, machen sich viele US-Bürger überhaupt nicht klar, aber, sorry, das ist nicht unser Problem. Auf gar keinen Fall dürfen wir uns von den USA vorschreiben lassen, mit wem wir Handel zu treiben haben.

  • Unter diesem Trump entsteht wohl die grösste Tyrannei auf Erden. Hoffen wir einfach , dass er wenigstens noch mit seinen Puffbesuchen klarkommt.

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